ANONYME ZEICHNER 2018

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Anke Becker, Kuratorin:

„Wie verändert sich das eigene Urteil über Kunst, wenn man nichts über die Namen und die Herkunft der Künstler*innen weiß? Woran lässt sich die Qualität einer Zeichnung festmachen? Wo ist die Grenze zwischen Kunst und Nicht-Kunst?

In der Ausstellung ANONYME ZEICHNER 2018 werden 600 Zeichnungen von 600 internationalen Zeichner*innen anonym, ohne Nennung von Urheberschaft und Titel präsentiert und zu einem symbolischen Einheitspreis von 200 € zum Verkauf angeboten. Nur durch den Kauf kann die Anonymität der Zeichner*innen aufgehoben werden. Der Ausstellung ging ein offener, internationaler Aufruf zum Einsenden von Zeichnungen voraus. Es gab darin keine inhaltlichen Vorgaben, nur eine einzige formale Regel: Ausgestellt werden ausschließlich Arbeiten bis zu einem Format von A3. Biografie, Alter oder Geschlecht der Teilnehmer*innen spielten bei der ebenfalls anonym durchgeführten Auswahl keine Rolle. Aus über 2000 Einsendungen wurden von der Berliner Künstlerin und Projektgründerin Anke Becker 600 Arbeiten ausgewählt und für die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Künstlerduo Reinert/Hinsberg zu einem kollektiven Gesamtkunstwerk zusammengefügt.“

 

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Sommer in Timmendorfer Strand

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Buttermann hat keine Schwester abgekriegt in diesem Sommer und ich tippe, auch nicht im letzten oder dem davor. Dafür brüllt er die jungen Frauen zusammen, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Sein ohnehin zu nervösen Rötungen neigendes, teigiges Gesicht bekommt ein Stich ins Violette. Das Augenlid zuckt.

Aber Buttermann hat ein Ferienhaus in Timmendorfer Strand. Dort verkehre die Hamburger Schickeria, klärt er mich auf. Insgesamt herrsche dort ein anderes Niveau als in Neustadt: Schicke Boutiquen an der Strandpromenade, abends könne man fein essen gehen. Eine Bar, in der man im Sommer ausgefallene Leute träfe, gebe es natürlich auch. „Nautic Club!“ Er lässt beim aussprechen des Barnamens ein genüssliches Schmatzen verlauten.

Es ist Dienstagmorgen, wir trinken im Büro einen Kaffee, bevor es los geht. Buttermann verrät mir, dass er am kommenden Wochenende nach Timmendorfer Strand zu fahren beabsichtige. Und dass ich so wissbegierig und ambitioniert sei schätze er sehr.

Ich ahne was.

Und es kommt.

Für meinen Ehrgeiz wolle er mich belohnen. Mich übers Wochenende mit nach Timmendorfer Strand nehmen. Die Arbeit solle natürlich nicht zu kurz kommen, er habe etwas vorbereitet, er habe neuste Forschungsergebnisse zum Borderline Syndrom unterhaltsam zusammengefasst, darüber sollten wir in angenehmer Atmosphäre, beispielsweise am Strand, diskutieren.

In Sekundenschnelle läuft ein Film bei mir ab, ich kann mich nicht mit Familie herausreden, auch nicht mit einem Partner, mein Privatleben ist für jeden frei einsehbar, man braucht nur an die Tür des Appartements 21 im Schwesternwohnheim zu klopfen oder Frau Hinz zu befragen.

Es bleibt mir nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu sagen, oder fast die Wahrheit.

So bedanke ich mich tadellos höflich für die Einladung, füge hinzu, dass ich meine Wochenenden aber momentan aus privaten Gründen lieber allein verbringen würde.

Buttermann sieht mich an, ein langer, intensiver Blick ist das, der besagt, dass ich hiermit meine letzte Chance, einem Unglück zu entgehen, verspielt hätte.

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Sein oder Bewusstsein: das ist hier die Frage

Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.

Karl Marx im Vorwort »Zur Kritik der politischen Ökonomie« (1859)

Lesemarathon 2018 des Verbandes deutscher SchriftstellerInnen Berlin

22. Juni 2018, 18:00 Uhr
Literaturhaus Fasanenstraße
10719 Berlin, Fasanenstraße 25

Dieses Marx’sche Zitat, oft verkürzt zitiert als »Das Sein prägt das Bewusstsein«, treibt uns Schriftstellerinnen und Schriftsteller in besonderer Weise um. Wie viele Bücher haben nicht schon zu Veränderungen geführt, politisch ökonomisch oder auch privat. Und wie oft waren Bücher und Schriften Anstoß zu Protest. Der Besitz von Büchern konnte oder kann von Machthabern auch als Verbrechen angesehen werden und ihre Autorinnen/Autoren als gefährliche Gegner. Die Literatur, das Schreiben verändern Sein und Bewusstsein gleichermaßen.

Eintritt
7 Euro / ermäßigt 4 Euro

 

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Grundeinkommen oder Grundsicherung?

Diskussion mit Gewerkschaft, Wirtschaftsprofessorin und Landesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen

Helle Panke, 29. Mai

 

 

 

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Die linken Buchtage

unter anderem mit Veranstaltungen zu Feminismus und Antisemitismus finden an diesem Wochenende (1. bis 3. Juni) statt.

 

Programm hier

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Bedingungsloses Grundeinkommen versus Solidarische Mindestsicherung

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Diese vermeintlich konträren Konzepte werfen Fragen auf:

Wie ist ein „bedingungsloses Grundeinkommen“ finanzierbar?

Wie könnte zukünftig das Verhältnis der Erwerbsarbeit im Vergleich zur Reproduktionsarbeit bzw. zur ehrenamtlichen Arbeit aussehen?

Ist es überhaupt eine tragfähige Idee, körperlich und geistig gesunde Menschen im erwerbsfähigen Alter von jeglicher Pflicht zu entbinden,  am gesellschaftlichen Arbeitsprozess teilzunehmen?

ReferentInnen:

Juliane Beer (Sprecherin Landesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen Berlin, Schriftstellerin)

Prof. Erika Maier (emeritierte Professorin für Wirtschaftswissenschaft)

Ralf Krämer (Mitglied im Parteivorstand DIE LINKE, wiss. Mitarbeiter bei ver.di)

Moderation: Dr. Dietmar Müller

29. Mai 2018 um 19 Uhr

Helle Panke, Kopenhagener Str. 9, 10432 Berlin

 

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Geister und andere Widrigkeiten

Manns findet es klug, endlich etwas zu unternehmen. Das Ding da oben auf dem Dachboden wird ihm nicht weiter das Leben vermiesen. Ihm nicht. Auch wenn es momentan Ruhe gibt, nämlich genau seit dem Tag, an dem der Butt umgekommen ist, sieht Manns keinen Grund zur Entwarnung. Ruft sich vielmehr die Nächte ins Gedächtnis, in denen das Ding durchs Treppenhaus geisterte. Er wachte auf, weil er zur Toilette musste. Oder wachte er auf, weil er unterbewusst etwas wahrgenommen hatte? Gespürt hatte, dass irgend etwas nicht stimmte? Wenn irgend etwas, das es nicht geben darf, nachts durchs Haus schleicht… das spürt man. Sogar im Schlaf.

Manns war stets aufgestanden, im Halbschlaf ins Badezimmer getaumelt, hinter der Wand liegt der Hausflur. Manns war jetzt einigermaßen bei sich, schloss, am Waschbecken stehend, für einen Moment die Augen, um noch genauer hören zu können. Hinter der Wand das leise Knarren der Holztreppe, ohne Zweifel, irgend etwas schlich da umher.

Manns brach der Schweiß aus, nie hatte er sich selbst alberner gefunden, kläglicher, er bräuchte doch nur ebenso leise zur Wohnungstür zu schleichen, diese zu öffnen, so vorsichtig, wie man eine Bombe entschärft. Er bräuchte nur die Flurbeleuchtung einzuschalten und schon hätte der Spuk ein Ende gehabt.

Manns tat es nie. Ließ das Wesen sein, versuchte stattdessen, sich auf die Entleerung seiner Blase zu konzentrieren, dabei nicht mehr hinter die Wand zu horchen, und kehrte dann ins Bett zurück.

Lag er dort, ging eine schneidende Kälte durch ihn hindurch. Er brauchte lange, um wieder einzuschlafen, musste sich vorher vergegenwärtigen, dass ihn keine Schuld traf.

Und jetzt?

Seit dem Butt-Tod ist es die ganze Nacht still. Manns wacht dennoch auf, geht ins Bad und horcht. Nichts. Doch erleichtert ist er deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil. Wenn das Wesen den Butt auf dem Gewissen hat wird es nun nachsinnen, wie und wann es sich den nächsten holt. Manns schüttelt sich, ruft sich zur Ordnung. Er ist kein 8-jähriger Junge mehr, der am Vorabend heimlich einen Horrorfilm im Fernsehen angeschaut hat.

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zum Beispiel hier

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