Archiv der Kategorie: Info

In Zeiten, da uns gemeine Viren bedrängen…

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… haben es unabhängige Verlage wieder einmal schwer. Einst wurde deshalb für den 21. März der Indiebookday ins Leben gerufen. https://www.indiebookday.de/

Noch sinnvoller wäre es, jeden Tag Indiebookday zu feiern, gerade dieser Tage. Barsortimente quartieren kleine Verlage aus, Buchhandlungen halten Corona-Pause und  amazon stellt Papier für den Po – klar, auch wichtig – in die vordere Reihe.

Wer im Stubenarrest auf Bücher nicht verzichten möchte bestelle gern direkt im Shop kleiner Verlage, zum Beispiel 

hier

hier

oder hier

Und wer die Post nicht bemühen möchte  – meine Schrift zum Thema Lohnarbeit und Linke Aber sie arbeiten doch! ist zwar bei keinem kleinen Verlag erschienen, sondern in Eigenregie  hier  kommt aber als E-book  schnell  und ganz ohne menschlichen Zwischenwirt ins Haus.

Bleibt glücklich und gesund!

 

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Testlauf bedingungsloses Grundeinkommen für Deutschland

 

Für Veränderung braucht es erst einmal Visionen, umso erfreulicher, dass eine Generation heranwächst, die Kapitalismus und Neoliberalismus ebenfalls satt hat, aber ihre Zeit auch nicht mehr mit dem Flechten der ollen Zöpfe Sozialismus und Kommunismus verschwendet. Eine Gruppe junger AkademikerInnen möchte den Testlauf Grundeinkommen für Deutschland jetzt.

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In Sachen (Lohn)Arbeit

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[…]Der Arbeitsbegriff unterliegt dem Wandel der Zeit. Wie bereits erwähnt, war es in der Antike und im Mittelalter alles andere als ehrenhaft, Lohnarbeit zu verrichten. Die oberen Stände philosophierten und widmeten sich der Politik. Mühen und plagen mussten sich die sogenannten unteren Schichten. Daran hat sich zwar nicht allzu viel geändert, doch wer hart und schmutzig lohnarbeitet soll sich heutzutage zumindest in Westeuropa nicht mehr offiziell für sein Tun schämen. Abneigung, Abscheu und Häme gegen die, die uns in allen Lebensbereichen den Dreck wegzuputzen (müssen), besteht zwar nach wie vor, wird heute jedoch subtil geäußert. Wer hart und schmutzig lohnarbeitet und beispielsweise zu streiken wagt, um für einen zumindest überlebenssichernden Lohn zu streiten, muss sich nicht selten die Frage gefallen lassen, ob es denn nicht mal langsam genug wäre. Genug mit dem Niederlegen der Lohnarbeit, die verrichten zu dürfen man dankbar sein solle, denn immer mehr dürften nicht. Und genug mit dem Geld, das einem doch bereits gezahlt würde. Es wird Gier unterstellt. Anmaßung. Oft auch fehlende Moral. Eine Krankenschwester hat den Alten und Kranken zu Diensten zu sein, das hat sie sich schließlich so ausgesucht. Fällt sie aus, gar absichtlich, um zu streiken, ist es um ihr Pflichtbewusstsein schlecht bestellt. Je härter und mieser bezahlt jemand lohnarbeitet, um so höhere Moral wird erwartet – nebst tadellosem Pflichtbewusstsein. ArbeitskraftnehmerInnen sind hingegen weitgehend ausgeschlossen vom Moral-Contest. Sie sind die Unentbehrlichen. Sie in die Gemeinde zu locken, lässt man sich etwas kosten, zum Beispiel Großzügigkeit in Sachen Empörung ob fehlenden Anstands.

In dem Punkt zumindest hatten es die LohnarbeiterInnen der Antike und des Mittelalters einfacher. Sie hatten nichts zu verlieren, sie galten ganz offiziell als unwerte Lumpen, und zwar deshalb, weil sie sich plagen mussten. Dass sie Moral und Sittlichkeit besaßen, vermuteten die von ihnen bedienten ArbeitskraftnehmerInnen von vornherein nicht.

Und dann, ein bisschen später, kam Marx

Ein erklärter Liebhaber der Lohnarbeit war der Gesellschaftstheoretiker und Ökonom Karl Marx (1818- 1883) nicht, dennoch muss er bis heute als Held der parteilosen wie parteigebundenen linken LohnarbeitsfetischistInnen herhalten. Marx wird gefeiert von KommunistInnen über SozialistInnen bis hin zu solchen Linken und LINKEN (wenn auch offenbar nicht immer gelesen oder verstanden), die einer oder einer nach der anderen zumeist brotlosen aber staatlich subventionierten oder geförderten (Lohn)Arbeit im Bereich Kultur oder online-Dienstleistung nachgehen. Oder auf andere Art eine ruhige Kugel schieben, also ihre Zeit (zum Beispiel in Form von Immatrikulation auf Lebenszeit) damit zubringen, über Wesen und Schicksal der Lohnarbeitenden zu philosophieren.

Es liegt mir fern, hier Karl Marx‘ Werk auszurollen, dennoch möchte ich an dieser Stelle einen kurzen Textauszug zitieren, und zwar deshalb, weil die Sozial-ist-was-Arbeit-schafft-Hymne seiner späten AnhängerInnenschaft Marx eventuell irritiert hätte. Bestenfalls.

So sprach Marx zwar von Arbeit als „ewiger Naturnotwendigkeit“, meinte damit aber offenbar nicht die Lohnarbeit. Oder war unentschieden, was Lohnarbeit anging, zu der er sich unter anderem auch so äußerte:

[…] Es ist eins der größten Mißverständnisse, von freier, gesellschaftlicher menschlicher Arbeit, von Arbeit ohne Privateigentum zu sprechen. Die , Arbeit‘ ist ihrem Wesen nach die unfreie, unmenschliche, ungesellschaftliche, von Privateigentum bedingte und das Privateigentum schaffende Tätigkeit. Die Aufhebung des Privateigentums wird also erst zu einer Wirklichkeit, wenn sie als Aufhebung der Arbeit gefaßt wird […].“

Quelle: Karl Marx: Über Friedrich Liszt, Berlin 1972, S. 24.

 

aus: Aber sie arbeiten doch – Alphabet der linken Liebe zur Lohnarbeit

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Die Linke und die Lohnarbeit…

…ist ein wenig erbauliches Thema. Ich sprach im Januar mit Ulrike Göking darüber und über mein Buch zum Thema. Wer die Sendung verpasst hat muss sich nicht grämen, denn sie steht jetzt in der Mediathek

Hier entlang

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Literatur & Musik

 

…es ist Frühling, diese Jahr spät, der März war verschneit und bitterkalt.

Das habe ich noch nicht erlebt, zweistellige Minusgrade an einem Märztag. Es ist aber nicht nur zu meiner bisherigen Erdzeit sondern überhaupt in den vergangenen hundert Jahren nicht vorgekommen, lese ich in der Hamburger Morgenpost.

Hat die außergewöhnliche Kälte etwas zu bedeuten?

Wird das Leben immer wieder heftig durcheinander gewirbelt ist man versucht, jede Absonderlichkeit, die Natur oder Mensch hervorbringen, auf eine tiefere Bedeutung hin abzuklopfen. Auf eine tiefere Bedeutung für einen selbst, und niemanden sonst.

Ich sollte damit aufhören. Strömte mein Leben ruhig und gleichmäßig vorwärts, würde ich eine Wetterkapriole als das ansehen, was sie eigentlich ist: eine Laune der Natur, die sich um mich nicht schert.

Ich will dennoch kurz auf meine bisherigen Frühlinge zu sprechen kommen. Sie begannen Mitte März mit einer verstörenden Helligkeit und umher treibenden Blütenpollen, die die Augen entzündeten und ermüdeten. Ich stand vor dem Flurspiegel, betrachtete mich durch einen Schleier von Tränen und fand mich jedes Jahr ein wenig verändert vor. Wunderte mich über das Bild, das ich nach außen abgab. Ist kein Spiegel in der Nähe bin ich ja noch immer das Schulmädchen, das nichts verraten darf und sich deshalb das Lügen angewöhnt hat, und zwar nach allen Seiten.

Wenn ich mich richtig erinnere war es wohl so, dass das Mädchen gerade von der Großmutter eine Ohrfeige bekommen hatte, die erste Ohrfeige der Großmutter, warum weiß ich nicht mehr, aber es war auch die letzte Ohrfeige, denn von diesem Moment an hat das Mädchen, mittlerweile zwölf, auch die Großmutter wieder angelogen. Glaube ich.

Jetzt ist es April.

Draußen liegen noch immer Schneereste, es ist kalt wie im Dezember, albern ist das, denke ich. Irgendwie fast lächerlich. Als sei der April ein Narr, der sein Handwerk nicht versteht. Kein Mensch lacht mehr über seine Possen, er macht dennoch weiter wie bisher. Da pfeife ich jetzt drauf, lasse die Mütze zuhause, lege sie irgendwo auf einem Karton ab in der Wohnung Funkstraße 3, in der es bei jedem Schritt hallt, weil schon alle Bücher eingepackt und die Teppiche eingerollt sind.

Ich gehe mit offenem Haar herunter auf die Straße. Es weht ein steifer Wind durch Hamburg, ein paar Schneeflocken sind auch dabei, schwarze Haarsträhnen flattern mir ins Gesicht, bleiben einen kurzen Moment auf den frisch eingecremten Wangen haften. „Albern bist du“, flüstere ist dem Wind zu, richtig wäre in dieser Woche das irritierend helle Licht des Frühlings und tränende Augen. Na schön, Wind und Kälte, ihr werdet verschwinden! Mein Leben aber beginnt von neuem…

aus : Frau Doktor E. liebt die Abendsonne, Verlag Marta Press 2015

 

Dienstag 28.01. 2020 um 19:00 Uhr

kultur@ewa-frauenzentrum

Prenzlauer Allee 6, 10405 Berlin

Ladies only

Juliane Beer und Ulrike Gramann (ent)führen an Orte in Berlin, wo Menschen sich begegnen, Konflikte krachen, Pamphlete verfasst und Liebesworte geflüstert werden. Sie zeigen euch, wo es sozialund politisch funkt, und bringen euch an Orte, die schon historisch sind, ehe ihr nur einmal das Wort „Geschichte“ gehaucht habt. Musikalisch begleitet werden sie von der Liedermacherin Lizzie Libera. Keine Sorge: Wo dieser Spaziergang hinführt, das steht nicht im „Lonely Planet“

 

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In Sachen Lohnarbeit…

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… gibt es Mittwoch den 15. Januar und Samstag den 25. Januar was auf die Ohren. Ich spreche mit Ulrike Göking über mein neues Buch.

online zuhören

 

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Deutsche Oma macht die Sau(se)

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Der WDR beklagt sich. Die Gesellschaft sei krank. Und der WDR sei Opfer dieser Erkrankung, die sich vorrangig darin äußere, Satire-Darbietungen des WDR nicht zu verstehen. Satire, eine Kunstform (für Nazienkel nicht immer gleich identifizierbar), die unter die Meinungsfreiheit fällt und laut WDR weh tun darf und soll.

Wem genau Satire weh tun darf oder soll und wem lieber nicht, dazu äußert sich der WDR nicht. Eventuell verständlich, man hat dort jetzt dringlicheres zu tun, nämlich seine MitarbeiterInnen vor rechtsradikalen Spaßbremsen in Sicherheit zu bringen. Zugegeben, wenn wütende Rechtsradikale vor der Tür stehen ist das nicht angenehm. Lieber wäre dem WDR vermutlich gewesen, statt Rechtsradikalen wären ein paar Omas aufmarschiert. Empörte alte Säue – da hätte man gleich noch eine zweite Satire hinterher reichen können, die so überaus mutig gewesen wäre wie die erste. So aber muss man beklagen, dass man unter der Gewaltherrschaft deutscher Oma, die nicht antastbar seien, leide.

Alles dumm gelaufen, dabei wollte man sich doch eigentlich nur ein bisschen beim Zeitgeist anschleimen, bei denen, die auf das Programm des WDR verzichten, weil sie nicht mal wissen, dass es den WDR überhaupt gibt. Denen wollte man zeigen, dass man da ist, Bescheid weiß, was geht, dass man mitredet und es wert ist, gemocht und „geliked“ zu werden.

Warum man für seinen Image-Song aber nicht die einschlägigen nationalen Blödelbarden engagierte, die, meinetwegen als Schulkinder verkleidet, ein Lied intonieren über all die unverfrorenen Omas, die rücksichtslos SUV fahren oder auf Kreuzfahrschiffe die Sause machen, bleibt ein Rätsel. Ebenso, wer diese Omas alias Umweltsäue sein sollen. Wären es die Omas der 10-jährige Kindern, die man für seine schleimige Anwanzerei missbrauchte, würde es sich um die Generation handeln, die heute zwischen Mitte 50 und Mitte 60 ist, also die, die einst, als „Ökos“ beschimpft, die bundesdeutsche Atomkraft- und Treibhausgemüse-Seligkeit störte und vom Auto aufs Fahrrad umstieg. Die kann der WDR eigentlich kaum meinen.
Wen dann? Eine Generation drüber, die älteren Frauen, die ihr Leben lang malocht und Kinder großgezogen haben und jetzt deutsche Städte von Plastikflaschen-Müll befreien – zum Selbstkostenpreis? Ist doch schließlich Satire-tauglich, wie ältere Frauen unermüdlich bis zur Schulter in öffentliche Abfalleimer tauchen.

Wir alle sind gemeint, wie manch eine/e VersöhnerIn jetzt durch die sozialen Netzwerke bläst.

Wir alle? Na, gut.
Aber warum bedient man sich dann nicht eines Stellvertreters, der zumindest ein bisschen häufiger als die Oma SUV fährt oder um die Welt jettet oder jeden Tag Nachschub für den Kebab-Spieß benötigt?

Versuchen wir es mal, setzten wir in ein X- Sau-Lied (das uns alle meint) statt der Oma den Homosexuellen oder Muslim ein. Oder den deutschen „Arbeitgeber“. Und behalten wir nach dem Geschrei der Nazienkel den Hinweis bei, man dürfe ja wohl noch ein bisschen Satire machen.
Na? Zum totlachen, wie?

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