Monatsarchiv: Juni 2018

Sommer in Timmendorfer Strand

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Buttermann hat keine Schwester abgekriegt in diesem Sommer und ich tippe, auch nicht im letzten oder dem davor. Dafür brüllt er die jungen Frauen zusammen, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Sein ohnehin zu nervösen Rötungen neigendes, teigiges Gesicht bekommt ein Stich ins Violette. Das Augenlid zuckt.

Aber Buttermann hat ein Ferienhaus in Timmendorfer Strand. Dort verkehre die Hamburger Schickeria, klärt er mich auf. Insgesamt herrsche dort ein anderes Niveau als in Neustadt: Schicke Boutiquen an der Strandpromenade, abends könne man fein essen gehen. Eine Bar, in der man im Sommer ausgefallene Leute träfe, gebe es natürlich auch. „Nautic Club!“ Er lässt beim aussprechen des Barnamens ein genüssliches Schmatzen verlauten.

Es ist Dienstagmorgen, wir trinken im Büro einen Kaffee, bevor es los geht. Buttermann verrät mir, dass er am kommenden Wochenende nach Timmendorfer Strand zu fahren beabsichtige. Und dass ich so wissbegierig und ambitioniert sei schätze er sehr.

Ich ahne was.

Und es kommt.

Für meinen Ehrgeiz wolle er mich belohnen. Mich übers Wochenende mit nach Timmendorfer Strand nehmen. Die Arbeit solle natürlich nicht zu kurz kommen, er habe etwas vorbereitet, er habe neuste Forschungsergebnisse zum Borderline Syndrom unterhaltsam zusammengefasst, darüber sollten wir in angenehmer Atmosphäre, beispielsweise am Strand, diskutieren.

In Sekundenschnelle läuft ein Film bei mir ab, ich kann mich nicht mit Familie herausreden, auch nicht mit einem Partner, mein Privatleben ist für jeden frei einsehbar, man braucht nur an die Tür des Appartements 21 im Schwesternwohnheim zu klopfen oder Frau Hinz zu befragen.

Es bleibt mir nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu sagen, oder fast die Wahrheit.

So bedanke ich mich tadellos höflich für die Einladung, füge hinzu, dass ich meine Wochenenden aber momentan aus privaten Gründen lieber allein verbringen würde.

Buttermann sieht mich an, ein langer, intensiver Blick ist das, der besagt, dass ich hiermit meine letzte Chance, einem Unglück zu entgehen, verspielt hätte.

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Sein oder Bewusstsein: das ist hier die Frage

Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.

Karl Marx im Vorwort »Zur Kritik der politischen Ökonomie« (1859)

Lesemarathon 2018 des Verbandes deutscher SchriftstellerInnen Berlin

22. Juni 2018, 18:00 Uhr
Literaturhaus Fasanenstraße
10719 Berlin, Fasanenstraße 25

Dieses Marx’sche Zitat, oft verkürzt zitiert als »Das Sein prägt das Bewusstsein«, treibt uns Schriftstellerinnen und Schriftsteller in besonderer Weise um. Wie viele Bücher haben nicht schon zu Veränderungen geführt, politisch ökonomisch oder auch privat. Und wie oft waren Bücher und Schriften Anstoß zu Protest. Der Besitz von Büchern konnte oder kann von Machthabern auch als Verbrechen angesehen werden und ihre Autorinnen/Autoren als gefährliche Gegner. Die Literatur, das Schreiben verändern Sein und Bewusstsein gleichermaßen.

Eintritt
7 Euro / ermäßigt 4 Euro

 

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Grundeinkommen oder Grundsicherung?

Diskussion mit Gewerkschaft, Wirtschaftsprofessorin und Landesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen

Helle Panke, 29. Mai

 

 

 

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