Monatsarchiv: Januar 2011

Abendessen im Hung Hoi

Ein Teamtreffen findet im Restaurant statt. Weil Teamleiter Diemer Geburtstag hat. Bereits vor Wochen hatte er gewitzelt, dass er seine Mitarbeiter ja sowieso einladen müsse, auch Teamtreffen müssten stattfinden – so könne man beides miteinander verbinden.
´In angenehmer Atmosphäre konferieren´, hatte er auf die Einladung geschrieben, diese zehn mal kopiert und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus seiner Abteilung auf die Schreibtische gelegt. Wortlos, das ist Diemers Art. Er ist eher der trockene Humorist, das sagt auch seine Frau.
Jetzt sitzen alle an einer langen Tafel im chinesischen Restaurant Hung Hoi. Diemer hatte letzte Woche einen Tisch für elf reserviert und für alle Ente kross mit Reis und Soyasprossen bestellt. An die chinesischen Getränke aber konnte er ´nicht so richtig ran´. Vorhin, bevor das Essen kam, forderte er seine Gäste deshalb auf, sich ein Getränk nach Wahl zu bestellen. Natürlich auf seine Kosten.
Frau Paesch trinkt ein Mineralwasser mit Zitronenscheibe aber ohne Eis. Die anderen trinken ein Bier. Gertrud trinkt gar nichts, zwar findet sie die asiatischen Getränke spannend, ist aber noch auf Diät und da soll man nichts zum Essen trinken, weil das die Magensäfte verdünnt. Die fetttriefende Ente isst sie aber. Ausnahmsweise.
Geredet wird über das Problem Arbeitslose. Was man denn nur mit denen machen sollte. Zwei seien ja nun schon tot. Und der Rest? Wie solle es mit dem Rest weitergehen, mit denen, die noch lebten?
Frau Paesch findet es wie üblich unpassend, auf diese Weise über Menschen, deren Arbeit niemand bezahlen will, zu reden, aber über das Problem Regierende und was man mit denen machen sollte, möchte niemand reden, wie Frau Paesch nach zwei Versuchen feststellt.
Also hält Frau Paesch nicht mit, ist jedoch trotzdem mit Herz und Seele bei der Sache, bei ihren Frauen. Hin und wieder, wenn jemand sie nach ihrer Meinung fragt, redet es eher automatisch aus ihr heraus, je nach dem, was der Betreffende hören will.

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http://www.edition-schwarzdruck.de/

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Der Zustand der Welt

Das Filmprojekt Problema, basierend auf ´Dropping Knowledge´, einer Sammlung von 100 Fragen, die am 9. September 2006 auf der Berliner Veranstaltung ´Table of Free Voices´ unter der Beteiligung von 112 Intellektuellen und Künstlern diskutiert wurden, steht seit Anfang Dezember zum freien Download zur Verfügung.
Die letzten Fürchterlichkeiten sind zwar nicht mit drin, trotzdem ganz sehenswert.

http://www.problema-thefilm.org/#/downloads

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Kommunisten

Wer nicht befürchtet, dass die Kommunisten ihr/ihm den Hamsterkäfig mitsamt Tier und das Kofferradio wegnehmen, um beides unter der Nachbarschaft zu verteilen, liest hier weiter:


http://www.jungewelt.de/2011/01-15/035.php

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Papa und die Gesetze

Damals hielt Papa auch von höheren Schule nichts. Schließlich hatte auch er keine besucht, auch keine gebraucht, wie sich ja rausgestellt hätte; die höheren Schulen und das Denken, das könne man getrost denen überlassen, sie etwas davon verstünden. Damit war die Angelegenheit für ihn erledigt, höchstens dies noch: es seien nun mal nicht alle Menschen gleich, und darum gäbe es so viele verschiedene Berufe. Die eine Gruppe Menschen würde denken und beschließen, die andere Gruppe ausführen. Jeder nach seinen Fähigkeiten.
„Gesetze haben doch nur so lange einen Sinn, solange sich die Leute daran halten“, überlegte Frau Paesch damals laut in Papas Anwesenheit. „Und wenn sich niemand an unsinnige Gesetze halten würde? Man kann doch nicht alle Menschen verhaften?!
Papa lachte ein bisschen, dann, als er sich beruhigt hatte, erklärte er seiner Tochter, dass Gesetze natürlich immer einen Sinn hätten. Auch, wenn man diesen nicht sofort erkennen könnte. „Diejenigen, die Gesetze erlassen, denken sich immer etwas dabei, mein Dummerle!“ So würden Gesetzesübertreter lediglich beweisen, dass sie etwas nicht begriffen hätten. Papa musste jetzt wieder lachen, anfallartig, bemerkte aber in den schubfreien Pausen, dass man eigentlich und strenggenommen über Leute, die so wenig verstünden, nicht lachen dürfte, auch wenn es manchmal zu komisch wäre, er würde das ja auch aus seinem Amt kennen, wie diese Begriffsstutzigen da vor ihm säßen, und rein gar nichts begreifen würden, den kürzesten Amtsbrief nicht, die einfachste Regelung schon gar nicht.
„Aha“, machte Frau Paesch damals.
Gerade leckt sie geschwind letzte Honigreste vom Teller, natürlich ist ihr klar, dass man das nicht tut; sie weiß sehr gut, wie man sich benimmt, Papa hat ihr das schließlich beigebracht, aber in diesem Fall vergisst sie es mal für einen Moment, denn Honigreste auf dem Teller verkleben stets die Borsten der Spülbürste.
„Also, was denkst du?“, fragt Frau Paesch und grinst, obwohl sie normalerweise nicht zu Gehässigkeiten neigt, Papa sie aber sogar dazu treibt, „du denkst ich mache einen Fehler, wie? Ich pfeife drauf, was du denkst!“
Papa bleibt ihr eine Antwort schuldig, was Frau Paesch nicht im geringsten verwundert. Es hat keinen Zweck, über das Thema zu diskutieren.
Immer wieder tut sich dieser blinde Fleck auf.
Damals entschied Papa, Frau Paesch solle, wenn sie nicht Krankenschwester werden wollte, verwalten. Verwaltet müsse immer irgendetwas werden, auch in Zukunft, orakelte Papa; eine sichere Arbeit sei das, da könne einem gar nichts mehr passieren; er bezog das offenbar aufs Geld. Frau Paesch wusste zwar nicht, was ihr ´passieren´ sollte, vor dem eine sichere Arbeit sie bewahren könnte, und überhaupt: Geld? Komisches Geld. Geld ist kein Rohstoff. Geld sind abgegriffene Kontrollscheine, ginge nicht auch ohne die alles weiter? Sicher; viel besser sogar. Keine ihrer Frauen könnte mehr dazu gezwungen werden, jemandem für einen Hungerlohn den Dreck weg zu machen.
Aber von solchen Ideen wollte Papa schon damals nichts hören. Richtig Angst und Bange wurde ihm, wenn die Tochter so verrückt daher redete. Hinter der Idee, die Leute davon abbringen zu wollen, ihre Pflicht zu tun, konnte möglicherweise eine Erkrankung stecken. Frau Paesch, halbwüchsig, wurde nicht nur zum Psychiater geschickt, sondern außerdem als Lehrmädchen im Rathaus untergebracht, gleich in der Abteilung neben Papa, städtisches Ordnungsamt. Wenn sie das nicht zur Besinnung bringen würde…

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Eine neue Erklärung des Universums…

… ist das soeben erschienene Buch ´Der große Entwurf ´ von Stephen Hawking entgegen der Ankündigung nicht, zumindest nicht für Leute, die sich regelmäßig auf Astronomieseiten im Netz herumtreiben und/oder das Geschehen im Cern mitverfolgen. Eine sehr gute Zusammenfassung kosmologischer Theorien der letzten zehn Jahre ist es aber allemal, toll und verständlich geschrieben zudem, überaus unterhaltsam auf jeden Fall.
Dennoch: Urknalltheorie – Ungläubige kann Hawkings auch mit diesem Werk nicht bekehren. Zumindest die Frage nach dem ´davor´ bleibt wieder unbeantwortet. Hawkings Argument, man brauche sich den Beginn des Weltalls lediglich als einen Punkt am Südpol vorstellen, womit sich die Frage nach dem ´davor´ erledige, da nichts südlicher sein kann als der Südpol, vermag nicht zu überzeugen. Falls südlicher als der Südpol lediglich das Nichts ist, so möchte man eben dieses Nichts definiert haben.
Fragwürdig ist auch die Tatsache, dass Hawking offenbar davon ausgeht, dass menschliches Leben im Weltplan vorgesehen war. Das Zusammenspiel aller Naturgesetze, die das Leben ermöglichen, deklariert er nämlich als ´verblüffender Zufall´. Ist das nicht eine Verdrehung von Ursache und Wirkung? Wenn ein Topf mit einem Bodensatz Tomatensoße zufälligerweise ein paar Wochen im Spülbecken liegt, schimmelt er. Das freut natürlich all die soeben zum Leben erwachten kleinen Pilze. Aber eine Illusion muss man ihnen sogleich rauben: Der Topf wurde nicht etwa zehn Tage im lauwarmen Spülwasser stehen gelassen, um genau die Voraussetzungen zu schaffen, damit Schimmelpilze entstehen. Die Schimmelpilze entstanden lediglich, weil jemand zu faul war, den Abwasch zu machen, und die daraus hervorgehenden Bedingungen nun mal Schimmel entstehen lassen, was ebenso wenig wie die Entstehung von mehr oder weniger intelligentem Leben auf der Erde ein verblüffender Zufall ist.
Da Hawkings aber gleichzeitig die durchaus plausible These der Multiversen vertritt (Tausende von Universen neben dem unserem; in jedem herrschen andere oder vollkommen andere Naturgesetze und Bedingungen), kann man sich leicht vorstellen, dass in jedem dieser Universen eine den Voraussetzungen entsprechende Form von Existenz entstanden ist, was folgerichtig und ebenso alles andere als verblüffend ist.
Ein Schelm, wer jetzt fragt: Wo sind wir überall nicht, weil die Bedingungen es nicht zulassen?

Stephen Hawking
& Leonard Mlodinow
Der große Entwurf

Eine neue Erklärung des Universums
Rowohlt Verlag

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