Monatsarchiv: Januar 2014

Der Authentizitätsfaktor

[…]„Herrje, Sammy, in dieser Stadt, wo nach wie vor jeder zweite glaubt, Künstler zu sein, willst du groß herauskommen? Fang jetzt mal was altersgerechtes an, es wird höchste Zeit! Die Berufsbezeichnung Künstlerin ist geschützt, seit Berlin sich feinmacht. Erst ab einem sechsstelligen Jahreseinkommen darf man sich jetzt offiziell so betiteln.“
Sam hielt nichts von derartigen Modeerscheinungen. Und aufs große Rauskommen konnte man nicht hinarbeiten. Fand sie nach wie vor. Wie sollte man das denn bewerkstelligen – hinarbeiten auf einen nach der Chaostheorie ausgelösten Ansturm von Galerien, danach Sammlern auf die eigenen Werke, bis derjenige auftauchte, der feststellte, dass der Kaiser nackt sei?
Sam fand es zu riskant, sich auf höhere Gewalt zu verlassen, und so verließ sie sich nur auf sich und das, was jahrelang in Berlin gezogen hatte – der Authentizitätsfaktor. Sam tat das, was ihr lag, nur das, und nichts anderes.
„Das tun was dir liegt? Vergiss es… das wollen alle“, vermeldete Marlon.
„Warum tun sie es dann nicht?“
Marlon blieb Sam eine Antwort schuldig, prophezeite ihr den baldigen Hungertod.
Sam zieht noch mal tüchtig am Joint, obwohl sie kurz davor ist, umzukippen. Sie legt sicherheitshalber schon mal die Beine hoch. Auf den Küchentisch. So ist´s besser. Inmitten der alten illustren Trinkerrunde hinter seinem Bar-Tresen sieht sie immer noch Marlon. Zu diesem Zeitpunkt stets gut gelaunt, erfreute er sich an den Erlebnisberichten seiner Gäste, erteilte Ratschläge, sprach Mut und Trost zu. Liebte es, immer über jeden im Bilde zu sein. Aber darüber hinaus visierte er für sich kein höheres Ziel an, was ihn allerseits hoch beliebt machte[…]

aus:
http://www.michason.de/kreuzkoelln

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Phantastik

Der Privatomat freut sich wie ein Kind & macht deshalb heute Werbung, denn soeben ist Strugazki, Sammelband 6 erschienen.
Wer in Sachen Strugazki noch AnfängerIn ist, dem sei aber zum Einstieg erst mal Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang empfohlen. Häufig zu Unrecht als Science-Fiction Roman abgetan steckt in diesem Buch die ganze pantheistische Weltsicht der beiden Autoren.
Zum Inhalt:
Während eines heißen Sommers arbeitet der Astrophysiker Maljanow an der Wechselwirkung der Sterne und der diffusen Materie und steht kurz vor dem Durchbruch.
Doch dazu kommt es nicht, seltsame Vorkommnisse halten Maljanow plötzlich von der Arbeit ab. Eine fremde Frau taucht auf, ein Nachbar, der für ein Geheimprojekt der Regierung arbeitet, stirbt auf unerklärliche Weise, ein komisches Männchen fühlt sich in Maljanows Wohnzimmer wie zu Hause.
Auch namhaften Wissenschaftlern anderer Fachrichtungen geht es nicht besser. Die Vermutung, dass sich das homöostatische Weltgebäude durch zunehmendes Wissen einiger Menschen bedroht sieht, liegt nahe…


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