Monatsarchiv: November 2011

Befreit das Geld!

Leute, dieses Jahr gibt es einen Grund, sich auf den Winter zu freuen…
Das Geld ist weg!
Wie – weg? Alles alle?
Nö. Abgeschafft!

Paradoxie der Vorzivilisation
Aus: Die Geschichte der Menschheit, Hamburg 2022
[…] Der Kleinbürger ist nicht nur eine kapitalistische
Klasse, d.h. eine Klasse, die alle kapitalistischen
Tendenzen in Miniatur in sich trägt. Er ist zugleich
antikapitalistisch. Er hat das starke, wenn auch vage
Bewusstsein, vom Großkapital ausgeplündert und
ruiniert zu werden. Er will antikapitalistisch sein, ohne
aufzuhören, kapitalistisch zu sein. Er will den schlechten
Charakter des Kapitalismus zerstören und zugleich den
guten Charakter des Kapitalismus erhalten, der es ihm
erlaubt, zu leben und sich zu bereichern. Aber da es einen
Kapitalismus ohne den schlechten Charakter nicht gibt,
muss der Kleinbürger ihn erfinden. […]

Abraham Léon, belgischer Trotzkist, ermordet 1944 in Auschwitz

http://www.schwarzdruck-laden.de/

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Arbeit kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen

Sitzt eine Frau Paesch gegenüber, die auch nichts von einem angenehmen Leben hält.
30 Jahre habe sie gearbeitet, ehrlich, wie sie betont, ehrlich und unter Mühe und Entbehrung, und so soll es auch weitergehen. Das Sponsoringprojekt verwirrt sie, auch noch, nachdem Frau Paesch ihr viermal den genauen Ablauf geschildert hat. Also erklärt die Arbeitssuchende, wie verachtungswürdig es wäre, Arbeitgeber oder Staat auszubeuten; sehr verachtungswürdig wäre das. Im Übrigen hat sie immer noch nicht richtig verstanden, worum es eigentlich geht bei diesem Sponsoringprojekt; nur so eine vage Ahnung hegt sie. Noch mal nachfragen will sie aber auch nicht. Wundern täte sie sich nicht darüber, dass Arbeitslose in Verruf kämen, erklärt sie stattdessen, und genau so wenig würde sie sich wundern, dass die Regierung denke, Arbeitslose würden betrügen.
Frau Paesch hört sich das einen Augenblick an.
Die Frau schweigt jetzt, weil sie schon wieder überlegt, ob sie Frau Paeschs Vorschlag wirklich richtig verstanden hat, denn wenn dem so wäre, könnte sie diese betrügerische Person ja eigentlich bei der Polizei anzeigen. Oder beim Zoll. Oder bei beiden.
Aber sie ist sich eben nicht sicher, wahrscheinlich, so denkt sie jetzt, hat sie das Ganze wirklich falsch verstanden, denn ihr gegenüber sitzt eine amtliche Person, und die macht solche Vorschläge nicht, kann ja gar nicht. Dass sie ihre Meinung zum Thema Ausbeutung und Betrug gesagt hat, war trotzdem nicht verkehrt, beruhigt sie sich, nützen kann ihr das, jawohl, alles was sie gesagt hat, war richtig und gut. Sie kommt jetzt aber lieber auf eine andere Sache zu sprechen, auf etwas, das sie seit Wochen beschäftigt, nämlich auf die Kopfschmerzen. Ständig leide sie unter Kopfschmerzen, seit sie keine Arbeit mehr habe, beklagt sie, ulkig findet sie es, dass sie früher, als sie noch Arbeit hatte, nie unter Kopfschmerzen litt.
„Das gibt es“, weiß Frau Paesch.
„Haben andere Leute in meiner Situation das auch?“, interessiert die Frau.
„Manche“, antwortet Frau Paesch.
Nun will die Frau wissen, was Frau Paesch dagegen empfehlen könne, was sie den anderen unter Kopfschmerzen Leidenden riete, und übrigens, wo man schon beim Thema wäre, müde sei sie auch ständig, obwohl sie ausreichend schliefe, früher, als sie noch arbeitete, sei sie mit fünf Stunden Schlaf ausgekommen, und nie müde gewesen, heute aber, wo sie acht Stunden schliefe, sei sie ewig müde, oder nein, so eine richtig Müdigkeit sei das eigentlich nicht, was sie da empfände, es sei eher so ein Lähmungsgefühl, ein Lähmungsgefühl im Kopf, ja, das träfe das Ganze am besten.
Gegen Lähmungsgefühle im Kopf hat Frau Paesch etwas anzubieten, aber nicht zu schnell. Erst mal klärt sie auf, dass es natürlich Medikamente gäbe gegen das, worunter die Kundin litte, aber von Medikamenten hielte Frau Paesch eigentlich wenig, man gewöhne sich an ihre Einnahme und dann könne man plötzlich, eines Tages, nicht mehr aus eigener Kraft, wäre also dauerhaft auf diese Medikamente angewiesen.
Die Frau findet, dass Frau Paesch die richtige Einstellung zu den Dingen hat, vernünftig und vertrauenswürdig wirkt. Sie ist sich plötzlich auch ganz sicher, dass sie vorhin etwas ganz falsch verstanden hat, was dieses Sponsoringprojekt angeht; sie atmet auf, ganz erleichtert ist sie jetzt, fragt sich aber trotzdem noch mal unter großem Schrecken, was wohl geschehen wäre, wenn sie die amtliche Person beschimpft hätte, weil die sie angeblich dazu verleiten wollte, mindestens drei mal die Woche schwarz zu arbeiten. Gar nicht auszudenken! Da läuft einem gleich noch mal ein Schauer über den Rücken!
Frau Paesch sagt gerade, dass sie, obwohl grundsätzlich gegen Medikamente eingestellt, eine kurzfristige Einnahme aber vertreten könne, im Notfall, aber wirklich nur dann. Sie schließt die unterste Schreibtischschublade auf und holt aus einem Heftzweckenkästchen ein weiteres, knallbunt bedrucktes Kästchen, dem sie ein Aluminiumtablett, in das vier Pillen eingeschweißt sind, entnimmt. Sie schneidet das Tablett einmal durch, reicht die eine Hälfte der Frau, legt die andere Hälfte zurück ins bunte Kästchen und das zurück ins Heftzweckenkästchen.


http://www.edition-schwarzdruck.de/start_lyrik_bwl.html

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