Monatsarchiv: Januar 2019

Goldschimmernder Entlastungsengel

oder: sind wir nicht alle ein bisschen schuldig?

Stella

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Noch immer modern ll

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Frau Kahane versteht nicht, warum das Wesen sich sein Abendessen nicht mehr holt seit jenem Tag, als der Butt zu Tode kam. Zunächst dachte sie, das Wesen sei nicht mehr da, aber das entlarvte sie als verrückten Gedanken: Wo sollte es denn sein? Es gehörte doch in dieses Haus.

Letzte Woche schließlich hatte sie es wieder gehört. Leiser als früher huschte es über ihr auf dem Dachboden umher. Ganz leise, sie musste sich sehr anstrengen, hört ja sowieso nicht mehr so gut. Es klang, als würde sich etwas oder jemand über ihr bewegen und dabei kaum den Boden berühren. Plötzlich ein Poltern, dann wieder Stille.

Den Abendbrotteller stellt Frau Kahane nach wie vor abends vor den Zugang zum Dachboden, aber das Wesen rührt ihn nicht mehr an, jeden Morgen um halb sechs holt Frau Kahane die unberührte Mahlzeit wieder herein. Hat sie sich verhört? Ist das Wesen tatsächlich an einen anderen Ort umgezogen, wo auch immer der sein mag? Ja, möglicherweise ist es in der Lage, woanders weiter zu existieren, auch wenn das Frau Kahane nicht gefällt. Oder bildet sie sich das Gehusche nur noch ein, aus Gewohnheit sozusagen?

Vorgestern beschloss sie, bei Frau Klein zu klingeln. Die Klein unterhält sich gern, ist recht vernünftig; man kann mit ihr manch ein Probleme besprechen. Sie hätte wieder Geräusche oben auf dem Dachboden gehört, bekannte Frau Kahane. Ob das sein könnte? Frau Klein gestand, dass sie ebenfalls wieder gehört hätte, dass etwas durchs Haus geschlichen wäre, neulich, mitten in der Nacht, als sie wegen ihrer Migräne aufgewacht und ins Bad gegangen sei, um eine Tablette zu schlucken. Ihr Mann aber hätte nichts gehört, er wäre mit wach geworden, sie hätte ihn zweimal auf das Geräusch hingewiesen, er wäre allerdings der Meinung gewesen, dass sie sich das Geräusch einbilden würde. Vielleicht wegen der Migräne, die ja dafür bekannt sei, unter anderem Sinnestäuschungen hervorzurufen. Ob denn nicht endlich Schluss sein könnte mit dem Unsinn? Es gäbe keine Gespenster, nicht in diesem Haus und auch nicht sonst wo, und erledigt.

Frau Kahane nickte, verabschiedete sich von Frau Klein und war froh, dass das Gehusche auf dem Dachboden keine Einbildung war. Oder besser: keine Einbildung von ihr allein.

Im Treppenhaus traf sie Anne, die gerade aus der Schule kam. Sie sprach das Mädchen an, fragte, ob sie das Wesen ebenfalls gehört hätte in den letzten Tagen, es sei offenbar wieder da. Anne starrte Frau Kahane erschrocken an, die bekam sofort ein schlechtes Gewissen. Wie konnte sie das Kind nur so ängstigen?

Es wird sich alles klären!“, versicherte sie Anne rasch, die vor Aufregung ganz rote Bäckchen bekommen hatte. “Mach dir keine Sorgen, falls auf dem Dachboden wirklich etwas ist, wird es uns nicht feindlich gesinnt sein. Dessen bin ich mir sicher.“

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Noch immer modern

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Es ist Frühling, diese Jahr spät, der März war verschneit und bitterkalt.

Das habe ich noch nicht erlebt, zweistellige Minusgrade an einem Märztag. Es ist aber nicht nur zu meiner bisherigen Erdzeit sondern überhaupt in den vergangenen hundert Jahren nicht vorgekommen, lese ich in der Hamburger Morgenpost.

Hat die außergewöhnliche Kälte etwas zu bedeuten?

Wird das Leben immer wieder heftig durcheinander gewirbelt ist man versucht, jede Absonderlichkeit, die Natur oder Mensch hervorbringen, auf eine tiefere Bedeutung hin abzuklopfen. Auf eine tiefere Bedeutung für einen selbst, und niemanden sonst.

Ich sollte damit aufhören. Strömte mein Leben ruhig und gleichmäßig vorwärts, würde ich eine Wetterkapriole als das ansehen, was sie eigentlich ist: eine Laune der Natur, die sich um mich nicht schert.

Ich will dennoch kurz auf meine bisherigen Frühlinge zu sprechen kommen. Sie begannen Mitte März mit einer verstörenden Helligkeit und umher treibenden Blütenpollen, die die Augen entzündeten und ermüdeten. Ich stand vor dem Flurspiegel, betrachtete mich durch einen Schleier von Tränen und fand mich jedes Jahr ein wenig verändert vor. Wunderte mich über das Bild, das ich nach außen abgab. Ist kein Spiegel in der Nähe bin ich ja noch immer das Schulmädchen, das nichts verraten darf und sich deshalb das Lügen angewöhnt hat, und zwar nach allen Seiten…

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