Monatsarchiv: April 2010

Maraxat

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Seid dabei!

An alle HamburgerInnen und solche, die es bis Mai werden wollen:
Vom 9. bis 11.5. findet in Hamburg das Anderseits-Literaturfestival statt.
Am Sonntag um 17:20 Uhr wird euch im Saal vorgelesen aus:
Eines Nachts habe ich einen Ausflug gemacht

Und das wird erfreulicher, als die Ergebnisse der NRW-Wahl, versprochen!

http://www.anderseits-literaturfestival.de/programm/autoren/

Mein Großonkel Sergeij Pafnutti, zum Thema Krieg befragt, antwortete folgendermaßen: „Man stelle sich vor, man säße im Olymp auf der Ehrentribüne. Gute Plätze, wenn schon, denn schon. Unten in der Arena gäben sie ein zweitklassiges Schauspiel. Tote Körper, so weit das amüsierfreudige Auge reichte; Leichenteile flögen durch die Luft. All das schöne Statistenmaterial … Bekäme man Mitleid? Und wenn, mit wem? Mehr ist dazu nicht zu sagen; Moment … vielleicht noch dies: Wer gegen wen, ist nicht die Frage. Jeder neue Anlass, diesen Kreaturen die Gelegenheit zu geben, ihre Mordgelüste zu befriedigen, löst bei mir einen akuten Schub mentaler Verstopfung aus!“
Ich, 10-jährig, lauschte atemlos. Eine Schwester richtete meinem Großonkel soeben das Bett. „Na, Herr Paffnuti, jetzt beruhigen Sie sich mal! Erklärt man Kindern so grob die Welt?“ Sie strich mir über den Kopf. „Manchmal, wenn zwei sich nicht einigen können, muss man nun mal …“
„Pah!“ Verächtlich schnaubend fiel mein Großonkel der Schwester ins Wort: „Mag das Publikum maulen: ‚Herr Pafnutti, Sie sind ein Obstinant!’ Meinetwegen! Aber selbst wenn ich ein Dichter wäre – eine Ode an den Krieg zwischen all diesen Komödianten wäre aus meiner Feder nicht zu erwarten. Mir fehlt es an jeglicher Schwärmerei. Während eines früheren Daseins war ich einmal gezwungen, mich als Dichter bei Hof zu bewerben. Bereits während meines ersten Vortrages über den Krieg, von dessen Rezitation ich absehen möchte, obwohl ich über die Jahrhunderte nicht ein Wort vergessen habe, nahm das Gesicht des Zaren einen – ich möchte es verharmlosen – ungnädigen Ausdruck an. Überflüssig zu erwähnen, dass man mich ablehnte, ja, mir sogar mit Kerker drohte, wenn ich nicht sofort verstummen wollte …“
Die Schwester klaubte die schmutzige Bettwäsche zusammen und verließ seufzend das Zimmer.

Eines Nachts habe ich einen Ausflug gemacht

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