Monatsarchiv: August 2011

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August 31, 2011 · 18:09

Haschisch in der Hasenheide

Dass man ja noch immer an der Selbstmörderin dran sei, nörgelt Gertrud jetzt hinter ihrer Zeitung hervor. „Als ob es nichts wichtigeres gäbe, als eine arbeitslose Drogensüchtige!“ Sie knickt die Seite ein, malt ein großes Ausrufungszeichen neben die ihr wichtig erscheinende Stelle. „Hier, Jutta!“ Sie reicht die Zeitung über den Tisch. Dass die Frau halluzinogene Drogen genommen habe, fasst sie den Artikel zusammen. Dass sie, Gertrud, sich das Wundern aber abgewöhnt habe, seit sie auf diesem Amt arbeiten würde, fügt sie gleich hinzu. Und Zeugen wollten das Opfer einen Tag vor ihrem Tod mit einem jungen Mann zusammen gesehen haben. Durch die Hasenheide seien sie spaziert. Arm in Arm. Man wisse ja, was in der Hasenheide los sei.
„Nein, was denn?“, fragt Frau Paesch uninteressiert.
„Kann man ja nicht mehr durchlaufen, ohne dass einen alle drei Meter ein Neger wegen Drogen anspricht. Selbst wenn man Kinder dabei hat.“
Frau Paesch macht die Gans darauf aufmerksam, dass es `Afrikaner` heißt.

Neger oder Afrikaner, das ist Gertrud egal. „Ist doch schließlich ein und das selbe!“ Lächerlich findet sie es, sich immer so an Kleinigkeiten aufzuhängen, sowieso wäre diese Aufregung um ´falsche Wörter´ ja momentan viel zu groß in Mode; schön reden sollte man diese Leute also noch, nicht mit ihr! „Neger!“, wiederholt sie, klar und deutlich. „Der Neger, die Neger! Einzahl, Mehrzahl. Geht immer! So!“
Nachdem sie sich wieder beruhigt hat, kommt sie noch einmal auf den jungen Mann zu sprechen. Laut Akte sei die Tote nämlich alleinstehend gewesen. Single. Sie habe das Amt also betrogen, eine Falschaussage gemacht. Was Frau Paesch dazu sage. Die Gans schielt empört über den Tisch.
Frau Paesch sagt dazu nichts, gibt der Gans die Zeitung zurück.

http://www.edition-schwarzdruck.de/start_lyrik_bwl.html

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Peinliche Themen

Gestern unterhielt ich mich mit J. über ein peinliches Thema.
J. liebt peinliche Themen. Ich eigentlich auch. Mit kleinen Einschränkungen. Zum Beispiel spiele ich ungern eine Hauptrolle in Beispielgeschichten, und wenn es schon sein muss, stehe ich ungern völlig angeschmiert da, sollte es zu einer Pointe kommen. Auch nicht so armselig, dass die Umwelt weinen muss. Ansonsten ist aber viel erlaubt.
J. schien enttäuscht, als ich mit der Sache raus kam. Nach meiner ellenlangen Vorrede hatte sie sich offenbar auf etwas gefreut, dass einem die Schamröte ins Gesicht trieb.
Aber das? Na, ja. Sie berichtete lahm, sie habe die selben Probleme gehabt.
„Hat doch fast jeder!“, behauptete sie dann auch noch. „Weg damit, geht schnell, tut nicht weh! Was machst du für ein Theater um die Sache? Du bist doch sonst nicht so dramatisch!“ Und so weiter.
Und während sie sprach, trank sie etwas, nahm nach jedem Satz einen Schluck Wasser oder Saft; betont lässig, in aller Ruhe, so gewöhnlich war das Thema.

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