Monatsarchiv: Januar 2010

gebildet…

Wie wichtig es ist, eine Fremdsprache zu beherrschen, beweist uns heute einer unserer Regierenden.
Und wer meint, dass es sich bei diesem Filmchen um eine Satire handelt… es mag euch trösten, Leute, dass auch ich das zunächst dachte.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,673978,00.html

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Info

Happy Birthday…

… Attac!
Unter http://www.attac.de/ kann man nachlesen, was in den letzten 10 Jahren so alles passiert ist

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Info

Ab sofort im Netz…

Axel Springer und die 1968iger

Unter http://www.axelspringer.de/medienarchiv68 gibt es was zu entdecken.
Nämlich Original-Berichterstattung 1968/69 aus Bild, BZ,
[…] aber auch dem Tagesspiegel[…], wie Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender Springer AG, rasch hinzufügt. Und das nimmt er gleich vorweg: So, wie immer behauptet wird, ging die Springer Presse gar nicht um mit unseren Studenten. Manche Artikel seien sogar eine regelrechte Fürsprache. Eigentlich liege die Schuld (für was?) bei der ´bis heute wirksamen SED-Propaganda´.
Desweiteren bedauert der Doktor, dass ´maßgebliche Akteure der 1968 Bewegung, die immer den offenen Diskurs gefordert haben, sich einer Einladung zum Springer Tribunal 2009 verweigert haben´.
Dr. Döpfner zeigt sich enttäuscht über die ´verpasste Chance`.
Was man sich unter einer solchen vorzustellen hat, und wie eine Aufarbeitung á la Springer aussieht, lässt sich leicht erahnen.
Warum die ´maßgeblichen Akteure´ keine Lust hatten, der Einladung folge zu leisten, verblüfft außer Dr. Döpfner und dem Springer Konzern vermutlich niemanden.
Ins Medienarchiv kann man trotzdem mal reinschauen, sollte aber vorher nicht vergessen, Antiemetika einzunehmen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Info

Gestern Fernsehen geglotzt…

Mehr Eigenverantwortung

heißt momentan das Motto in allen Lebensbereichen.

In Sachen Unterhaltsrecht Ehegatten sieht das dann so aus:

Heiraten Mann und Frau mit gleich (hohen) Qualifikationen, ist es zumeist noch immer üblich, dass Frau zuhause bleibt, wenn sich Nachwuchs einstellt. Mann bastelt an seiner Karriere, Frau hält ihm den Rücken frei, kocht, putzt, erzieht die Kinder, alles ohne Gage & Rentenanspruch, verliert den Anschluss im Beruf – so weit, so bekannt, leider immer noch aktuell.

Wenn Papa es nach oben geschafft hat und Mama ihm nicht mehr schön genug ist, darf es auch schon mal eine Jüngere sein.
Auf Entschädigung für die entgangene Karriere darf die Abgeschobene dennoch nicht hoffen, Ehegattenunterhalt gibt es nicht mehr per Gesetz sondern nur noch nach freiem Ermessen der RichterInnen. Und hier steht Eigenverantwortung hoch im Kurs. Heißt in der Praxis: Kann eine Frau nicht mehr in den erlernten Beruf einsteigen, was heutzutage bereits nach wenigen Jahren Kinder & Haushalt ziemlich sicher der Fall sein dürfte, muss sie sich eben irgend eine andere Arbeit suchen, um über die Runden zu kommen. Das kann Mann ´verlangen´. Frau hingegen kann wie üblich nichts verlangen, sie ist auf die Gnade von Exmann und Gericht angewiesen.

Fortschrittlicher ging es sogar einst im Harem des Großmoguls zu.
Die Damen konnten sich als Gegenleistung für ihre Dienste zumindest auf eine lebenslange Versorgung verlassen, auch nach Austausch gegen eine Jüngere.
Und putzen, kochen, waschen mussten sie sowieso nicht.

Bleibt nur eine Frage offen: Welche junge Frau bei derartigen Aussichten und den zwar vollmundig angekündigten, aber längst nicht herbei geschafften Kinderbetreuungsplätzen heutzutage noch so tollkühn ist, das Geplärre des Staates nach mehr Nachwuchs in den höheren Bildungsschichten zu erhören…

2 Kommentare

Eingeordnet unter Info

Gestaunt…

Herr Merz und die Schuldigen

Jetzt ist Winter.
Die Katastrophenmeldungen dieser Tage heißen: Es ist Winter! Nachts zweistellige Minusgrade!
In Berlin sind die Schlitten fast ausverkauft!
Man wartet auf den ZDF Brennpunkt: Es hat geschneit
Alle sind mal wieder arm dran, außer denen, die wirklich arm sind. Die sind selbst Schuld. Wärmestuben, Kältebusse, Suppenküchen – Helfer und Retter arbeiten ehrenamtlich oder für eine Aufwandentschädigung, der Staat hat für Dienste an denen, die sich selbst ins Elend geritten haben, kein Geld übrig, es muss gespart werden, Sie wissen ja: diese Banker!, wer weiß, was denen als nächstes einfällt, Jungs sind ja so abenteuerlustig! Also lieber schon mal die Piepen zurücklegen; da kann man auf all die Hungerleider, die im Übrigen jedes Jahr mehr werden, keine Rücksicht mehr nehmen.

Dennoch: Auf allen Kanälen schon wieder endlose Diskussionen über das Thema Armut: Die einen behaupten, unsere Armen wären gar nicht richtig arm, die Leute in Afrika wären viel ärmer; die Gegenseite aber findet auch unsere Armen echt arm, und so geht das hin und her, derweil die Armen selbst zuhause sitzen und gehorsam abwarten, wie über sie entschieden wird.
Zum Glück der Diskutanten, denn worüber sollte man in Zukunft sonst so trefflich streiten?

Jetzt aber hat Herr F. Merz sich eingeschaltet, um mit dem ganzen Geschnatter ein für alle Male aufzuräumen. Ja, wir kennen Herrn Merz noch, wir erinnern uns an sein Lamento, die deutsche Leitkultur betreffend.
Und auch jetzt ist Herr Merz wieder ausgezogen, das Vaterland gegen feindlich gesinnte Elemente zu verteidigen, wobei er sich dieses Mal nicht von sittenlosen Muselmanen bedroht fühlt, nein, der Feind ist dieses Mal die Laus aus dem eigenen Pelz.
Es beginnt statistisch: 73 % der Bundesbürger seien zu logischem Denken nicht in der Lage, schlussfolgert Herr Merz. Weil sie laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung angaben, es würde nicht gerecht zugehen im Lande. Und das, obwohl der Begriff `Gerechtigkeit´ nie genau definiert wurde.
Darauf folgt ein kurzer geschichtlicher Abschnitt, in dem ein paar Philosophen das Wort im Munde verdreht wird.
Dann geht es wieder zurück zum Bürger, der ja wohl offenbar – so mutmaßt Herr Merz – Verteilungsgerechtigkeit bzw. Verteilungsungerechtigkeit meint. Die Schere zwischen arm und reich gehe immer weiter auseinander, werde moniert.
So was von Durchblicklosigkeit! Genau das ist doch die wahre Gerechtigkeit, belehrt uns Herr Merz, Wohlergehen für alle sei dagegen ungerecht, weil das System soziale Marktwirtschaft dann nicht mehr funktionieren würde.
Wirklich ungerecht hingegen sei, die mehr und mehr steigende Zahl der Arbeitslosen, die ja allesamt genauso gut arbeiten gehen könnten, mit Steuergeldern zu alimentieren.
In Zeiten von Roulette spielenden Bankern, Aufstockerei (Firmen, die keine Löhne zahlen wollen, die ausreichen, den Lebensunterhalt damit zu decken, schicken ihre Angestellten zur Agentur für Arbeit, damit sie dort ´aufstocken´ – Lohn/Firmensubventionierung mit Steuergeldern), dem Austausch von kommunalen Angestellten durch 1-Euro-Jobber, sowie Diskussionen über Arbeitszwang ohne Lohn und Gehalt für alle Arbeitslosen (So. Es gibt also doch noch genug Arbeit für alle. Aber warum soll die denn nicht mehr bezahlt werden? Damit Gerechtigkeit durch Verteilungsungerechtigkeit bestehen bleibt?), behauptet Herr Merz munter, dass wenn das Schiff untergehe, das nichts-begreifen-wollende Fußvolk dafür verantwortlich sei. Warum dieses denn die bestehenden Arbeitsangebote (beispielsweise die Stellen, auf denen jetzt noch überteuerte Fachkräfte sitzen) nicht annehmen wolle?!
Ja, warum nur?
Soll man diese Zeilen überhaupt ernst nehmen?, fragt sich mittlerweile der/die geneigte LeserIn. Überarbeitung, schwere Kindheit, familiäre Probleme, Migräne – man kann jetzt alle möglichen Gründe für so einen Text annehmen, dennoch, man muss ihn ernst nehmen, der eigenen Gesundheit zuliebe. Zuletzt kommt der Mann womöglich noch auf den Gedanken, aus Arztposten Arbeitspflichtangebote für 1- 5 Euro-Jobber zu machen, der Gerechtigkeit halber; was Pflegepersonal angeht, ist es ja bereits so weit.
Wieder ein wenig ruhiger, fügt Herr Merz dann noch hinzu, immerhin ehrlich:
[…] Die Minderung materieller Ungleichheit ist in einem marktwirtschaftlich organisierten Gemeinwesen kein politischer Selbstzwec
k[…]

Nachzulesen (falls man das überhaupt will) ist das gesamte Traktat des Herrn Merz in:

Denkanstöße 2010
Ein Lesebuch aus Philosophie, Kultur und Wissenschaft
Verlag Piper

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Info

Gelesen…

Um zwischen all den Weihnachts- und Jahresendpartys ein wenig zu relaxen, habe ich mir doch noch diesen amerikanischen Megabestseller ins Haus geholt. Mit einiger Verspätung zwar, aber das Verfallsdatum ist längst noch nicht abgelaufen, verheißt die Drohung: Das ist nicht für euch
Für LiebhaberInnen von Mystery, Phantastik und Horror wie mich, eine unmissverständliche Aufforderung.
Was ich erwartet/ersehnt/gewünscht hatte, war ein intelligenter Horrorroman, der mich auf der Metaebene dem Weltgeheimnis ein Stückchen näher bringt. Ein durch und durch unbescheidener Wunsch, sicher; jemand, dem dies auch nur im Ansatz gelingen könnte, hätte sich vorher längst abgesetzt, nämlich ins Nirwana.
Es kam also so, wie ich geahnt & weshalb ich sieben Jahre gezögert hatte, was dieses Buch angeht, denn es ist lediglich in seiner äußersten Verzierung ein Horrorroman. Im Fleisch aber ist es ein Gleichnis über menschliche Beziehungen und im Kern eine Abhandlung männlicher Befindlichkeiten und dem Versuch der Deutung dieser.
Doch in erster Linie ist es eine riesengroße Fleißarbeit, auch Einfallsreichtum, auch Bildungsbeweis und leider ebenso das volle Programm an stereotypem Personal.
Zunächst aber: Hut ab vor den perfekt durchdachten Handlungssträngen, besonders denen rund um das unendliche Labyrinth, das sich eines Tages hinter einem plötzlich entstandenen Flur im Wohnzimmer einer amerikanischen Familie auftut.
Auf dieser Ebene zu bleiben und das Beziehungsdilemma der ProtagonistInnen (er: weiß, intellektuell, erfolgreich, abenteuerlustig, sie: weiß?, schön, neurotisch, klammernd) minus ein paar Klischees innerhalb der endlosen, öligschwarzen Gänge, Räume, Hallen abzuhandeln, hätte mir gereicht. Nicht aber dem Autor.
Es kommen weitere Ebenen und Schicksale hinzu: ein Herumtreiber mit schwerer Kindheit, ein geheimnisvoller Blinder, eine irre Mutti usw., usf. Dann ein Afroamerikaner, der anlässlich beruflichen Erfolgs gleich in seine Schranken verwiesen und nach einem Berufsunfall in den Rollstuhl gesetzt wird, jedoch weiterhin die Vorzüge des Wilden wie Mut, Kameradschaft und Treue aufweist. Und natürlich nicht fehlen darf der obligatorische übergriffige, böse Onkel; hier schaut er kurz vor Schluss noch mal rasch in Gestalt eines tätschelnden Stiefvaters vorbei. All diese Geschöpfe sind so Klischee-behaftet, dass ich hier zunächst ein satirisches Element vermute (wenn auch an der Grenze des guten Geschmacks), was sich aber nicht bestätigt.
Ich kann nicht mehr mitfühlen, weniger aus Hartherzigkeit, vielmehr weil das Personal lediglich ein Dasein als Abziehbild fristet, mir im Übrigen die Verknüpfungen der Personen einerseits untereinander, anderseits mit Mythen oder neuen Erzählsträngen, zu konstruiert, zu wenig organisch miteinander verwoben, zu austauschbar erscheinen.
Trotzdem lese ich weiter, eine tiefe Verneigung vor so viel Arbeit, allein das weiß ich zu würdigen; ich werde immer wieder rausgeschubst aus den weiteren Erforschungen der dunklen Gänge, und damit der Unendlichkeit menschlichen Elends in allen Facetten; ich soll meine Aufmerksamkeit auch Mythologischem schenken, und immer wieder dem Subhelden, der treibt die Geschichte nicht voran; kühn kommt mir dieser Verdacht zunächst vor, aber bald bestätigt er sich.
Also wird eine Methode entwickelt, die kleingedruckten Drogen- und Sexbekenntnisse eben jenes Subhelden zu überfliegen, ich war in den 80ies jung, ich kenne diese Art von Pathologisierung selbst- oder fremdbestimmter Lebensentwürfe, vielleicht wirkt diese Ebene des Romans deshalb so welk und olle. Dazu immer wieder die Ausstellungen des Sexlebens, die Mystifizierung des Sexlebens, der Sinn und Unsinn dahinter, das Sexleben als Metapher, als Vor- und Nach- und Nebengeschichte, oder einfach nur als Füllmaterial. Wen interessiert das, wessen eigenes Sexleben ist nicht kompliziert und bedeutungsschwanger genug? Da soll man sich nun auch noch mit fremden, diesbezüglichen Lebensäußerungen befassen, kann man Protagonisten nicht auf andere Weise, als durch ihre sexuellen Ambitionen beschreiben?
Weiterblättern.
Gehen Sie weiter. Da ist nichts.
Genau. Hat man diesen Schlüsselsatz auf dem Buchcover erst begriffen, legt sich auch die Angst, etwas zu verpassen.
Es geht auf zur nächsten Expedition ins Innere des Hauses/der Seele des Hausherren, der allerdings selbst nicht mitdarf in die dunklen Gänge und Schächte, weil die Lebenspartnerin, diese Spaßbremse, das nicht haben will, ja, sogar mit Trennung droht.
Also geht das Team, ausschließlich Männer, allein. Dass keine Frau jemals das Labyrinth betreten hat, fällt dem Autor aber auch noch auf, er rechtfertigt das augenzwinkernd mit dem Zug des Mannes in die Vagina. Ach so.
Wie nicht anders zu erwarten war, erliegt der erste Statist einem Höhlenkoller, erschießt erst den Kollegen, dann sich selbst. Die eigenen dunklen Abgründe waren an ihm, um ihm.
So ist das mit den Menschen.
Grauen kommt nicht auf, soll auch nicht. Hier geht es um viel mehr.
Mir ist das viel zuviel. Und im Übrigen darf ich auch nur mitmachen, was die Handarbeit, nämlich das Drehen und Wenden und auf den Kopf stellen des Buches angeht, bei Interpretationen und Schlussfolgerungen usw. verlässt der Autor sich ganz auf sich selbst und serviert diese durch echte oder gefakte Fußnoten, Kommentare usw. ständig mit.
Ich habe mich bis zum Ende durchgekämpft und war beeindruckt und enttäuscht zugleich.
Als die treue Gefährtin zum Schluss nach überstandenem Brustkrebs neben dem Bett des schwer verletzten Helden übernachtet, und zwar auf dem Fußboden, musste ich sogar noch mal richtig lachen.
House of leaves ist ein amerikanischer Gesellschaftsroman, dessen Horroreffekt lediglich in der Natur der Sache liegt.
Nächstes Mal, wenn mir der Sinn nach Grusel steht, keine Experimente mehr, sondern lieber wieder einen der Meister á la Poe oder Lovecraft.

M.Z. Danielewski
House of leaves
Pantheon Books 2000

Gibt es seit 2007 auch auf deutsch bei Klett Cotta.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Info