Schlagwort-Archive: Bar Berlin

Die SPIRITS-Roadshow


Schon mal vormerken für den Herbst: SPIRITS – Die flüssige Lesung geht auf Tour. Termine siehe unten.


[…]Tom hat mittlerweile das vierte Glas Wodka getrunken. Ich schaue ihm durch
die offene Tür dabei zu, wie er die Sitzpolster der Barhocker abklopft, was genau genommen ein vollkommen sinnloses Unterfangen ist. Die Dinger sind immer schmuddelig. In Berlin ist man eben nicht schick.
Weder in Bezug auf die Kleidung noch in der Wahl der Bar-Einrichtung. Fällt es jemandem ein, eine schicke Bar zu eröffnen, mit teuren Hockern, mit Möbeln aus edlem Holz gar, mit viel Chrom und blitzblankem
Fußboden – in Berlin-Mitte kann so ein Missgeschick durchaus mal passieren –, lachen die Leute sich krumm.
Ganz besonders dann, wenn auch noch alberne Modecocktails in langstieligen Gläsern mit bunten Halmen und Fähnchen serviert werden.
Wer da einkehrt, kann nur ein Tourist oder ein Idiot oder beides sein und braucht sich ab sofort nie mehr da blicken zu lassen, wo man Wotti Moskovskaya aus Wassergläsern trinkt, wo über vier Schichten Tapete
fünf Schichten Plakate kleben, der unbehandelte Dielenfußboden unter jedem Schritt ächzt und die Bidets und Goldimitatarmaturen in den Waschräumen noch immer an den ehemaligen, nunmehr umfunktionierten Puff erinnern, sprich: in einem Szeneladen[…]

aus der Anthologie SPIRITS die prophetischen fähigkeiten des oleg

http://www.stories-and-friends.de/spirits-die-roadshow/

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Tee und Hochprozentiges

Der Privatomat meldet sich aus der Sommerpause zurück.
Im Juli und August gibt es zwei Veröffentlichungen neuer Kurzgeschichten.

´Mitternachtstee` findet man in den Inskriptionen:
http://www.erata.de/

Eine Bargeschichte aus Berlin hier:
http://shop.stories-and-friends.com/buecher/buecher_info.php?&product_id=117&osCsid=7bf6e579cdaf799abd4a8cc5ce45c929

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Beinahe ein Paar Stiefel in der 25-Stunden-Welt verloren

Es gibt das Timbuktu.
An der Kreuzung liegt es. Wie geträumt. Wie ein gläserner Käfig. Fenster bis zum Boden. Nur ins Hinterzimmer kann man nicht schauen. Die Tür ist immer zu. Im Hinterzimmer wird geraucht.
Ich habe wochenlang von einer Bar geträumt, ich träumte, ich wäre dort eingekehrt, weil meine Berechnungen ergeben hatten, dass genau an der Straßenkreuzung, an der das Timbuktu liegt, das Tor offen steht. Das Tor in die 25-Stunden-Welt. Die grenzt an die 24-Stunden-Welt, ist aber immer hinterher. Diese eine Stunde! Man weiß noch nicht, was nebenan bereits geschehen ist, die Hintergrundmusik deutet aber häufig darauf hin, wird leiser, langsamer, manchmal nehmen auch die Holzbläser zu.
Ich wollte das Tor zur 25-Stunden-Welt finden, wollte versuchen, hinüber zu gelangen. Ich hatte mir astronomische Tabellen besorgt, zwei Abende gerechnet.
Das Tor liegt irgendwo im Timbuktu.
Ich hätte gern folgendes versucht: Stiefel ausziehen, meine Füße hochlegen. Später gehen. Meine Stiefel stehen lassen. Erst wenn ich im U-Bahnhof ein Ticket aus dem Automaten ziehen würde, mir dabei das Kleingeld auf den Boden fiele und ich es aufheben würde, sehen, dass ich in Socken da stehe. Zurückgehen wäre zwecklos gewesen. Im Timkuktu befindet sich das Tor, ich bin beim Betreten der Bar hindurchgegangen, stehe nun in der 25-Stunden-Welt, habe hier meine Stiefel noch nicht ausgezogen. Theoretisch. Wo also sind sie jetzt? Das kann man sich denken. Stiefel adieu! Macht nichts, ich hätte für dieses Experiment mein ältestes Paar angezogen. Mexikanisch, Schlangenlederimitat, abgewetzt und längst aus der Mode. So weit der Traum.

Fortsetzung folgt

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