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Leidenschaftlich interessiert an der Verrücktheit wären sie…

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[…]So halten die Doktor*innen das, rechnen sich aber selbst zu den Normalen. Mehr noch. Meinen, sie seien hervorragende Ärzt*innen. Meinen das deshalb, weil sie so eifrig sind. Leidenschaftlich interessiert an der Verrücktheit wären sie, erklären mir die Kolleg*innen mit einer Mischung aus Einfalt und Dünkel beim Mittagessen in der Kantine und schieben sich ein Eckchen Kalbsbraten zwischen die Kiemen. Kauen bedächtig. Tunken die Kartoffel in die braune Soße, aber so, dass es nicht spritzt. Solange sie es schaffen, die Verrücktheit unter ihre Kontrolle zu bringen, oder zumindest noch die kleinste Aussicht auf diesbezüglichen Erfolg besteht, schmeckt es den Kolleg*innen zu jeder Mahlzeit. Buttermann sitzt mir gegenüber, seine Augen leuchten vor Redlichkeit während er den Fettrand von seinem Schweinsbraten absäbelt. Entzieht sich die Verrücktheit aber seiner Kontrolle, will plötzlich und unvermutet die Labormaus eines Morgens nicht mehr mitspielen, wird eine Widersacherin aus ihr. Buttermann hält triumphierend die Gabel, auf die er den nutzlosen Fettfetzen spießte, hoch. Problematisch, dieses kleine Miststück. Will ja gar nicht gesund werden. Alles Leid selbst verschuldet. Muss auf die Geschlossene, hilft nichts. Muss fixiert und videoüberwacht werden, man trägt schließlich die Verantwortung für die Restmenschheit. Buttermann selbst ist und bleibt der Immergleiche. Isst drei Mahlzeiten am Tag, ohne dabei mit dem Essen herum zu matschen. Geht auf die Toilette, ohne danach die Kacke an die Wände zu schmieren. Greift keine unschuldigen Menschen an. Fiele ihm natürlich gar nicht ein. Er hat sich im Griff. Ein hervorragender Arzt ist Buttermann, wie sich ja gerade wieder zeigte. Schnell und genau durchschaut er die Problematik des Neuzugangs, diagnostiziert Borderline, für diese Erhellung reicht in der Regel ein kurzer Wortwechsel, oder auch ein Wortwechsel, der nicht zustande kommt, weil die Maus völlig unterzuckert ist; das Mittagessen wurde ja schon um elf Uhr ausgeteilt, die Frühschicht muss schließlich vor der Übergabe an die Nachmittagsschicht aufnehmen, wer erbrochen, nichts gegessen oder mit seinem Essen geworfen, gespielt oder es auf den Fußboden gekippt hat […]

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Presse:

http://www.kuk-nk.de/?p=2656

http://undercurrentsforum.com/2015/04/07/konstanze-hanitzsch-promethea-deutscher-familien-zustande-juliane-beers-neue-romanheldin-bringt-licht-in-dunkle-verhaltnisse/

https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/2015/05-08/014.php

http://diestoerenfriedas.de/feministische-strandlektuere-frau-dr-e-liebt-die-abendsonne/
http://issuu.com/_mittendrin/docs/11_final

http://www.kultura-extra.de/literatur/spezial/buchkritik_julianebeer_fraudoktor.php

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Noch ein Häppchen…

…aus: Frau Dr. E. liebt die Abendsonne

http://www.wirtschaftswetter.de/ausgabe151/fraueliebtdieabendsonne.html

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Haschisch in der Hasenheide & Frau Paesch im Echtleben: Inge Hannemann


Dass man ja noch immer an der Selbstmörderin dran sei, nörgelt Gertrud jetzt hinter ihrer Zeitung hervor. „Als ob es nichts wichtigeres gäbe, als eine arbeitslose Drogensüchtige!“ Sie knickt die Seite ein, malt ein großes Ausrufungszeichen neben die ihr wichtig erscheinende Stelle. „Hier, Jutta!“ Sie reicht die Zeitung über den Tisch. Dass die Frau halluzinogene Drogen genommen habe, fasst sie den Artikel zusammen. Dass sie, Gertrud, sich das Wundern aber abgewöhnt habe, seit sie auf diesem Amt arbeiten würde, fügt sie gleich hinzu. Und Zeugen wollten das Opfer einen Tag vor ihrem Tod mit einem jungen Mann zusammen gesehen haben. Durch die Hasenheide seien sie spaziert. Arm in Arm. Man wisse ja, was in der Hasenheide los sei.
„Nein, was denn?“, fragt Frau Paesch uninteressiert.
„Kann man ja nicht mehr durchlaufen, ohne dass einen alle drei Meter ein Neger wegen Drogen anspricht. Selbst wenn man Kinder dabei hat.“
Frau Paesch macht die Gans darauf aufmerksam, dass es `Afrikaner` heißt.

Neger oder Afrikaner, das ist Gertrud egal. „Ist doch schließlich ein und das selbe!“ Lächerlich findet sie es, sich immer so an Kleinigkeiten aufzuhängen, sowieso wäre diese Aufregung um ´falsche Wörter´ ja momentan viel zu groß in Mode; schön reden sollte man diese Leute also noch, nicht mit ihr! „Neger!“, wiederholt sie, klar und deutlich. „Der Neger, die Neger! Einzahl, Mehrzahl. Geht immer! So!“
Nachdem sie sich wieder beruhigt hat, kommt sie noch einmal auf den jungen Mann zu sprechen. Laut Akte sei die Tote nämlich alleinstehend gewesen. Single. Sie habe das Amt also betrogen, eine Falschaussage gemacht. Was Frau Paesch dazu sage. Die Gans schielt empört über den Tisch.
Frau Paesch sagt dazu nichts, gibt der Gans die Zeitung zurück.

aus: Arbeit kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen
ab sofort wieder lieferbar
http://www.edition-schwarzdruck.de/seiten_lyrikprosa/bwl16.html

…und Frau Paesch gibt es jetzt auch im realen Leben in Person von Inge Hannemann – zu bewundern hier:http://www.youtube.com/watch?v=utfDH2czup0

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