Monatsarchiv: Mai 2011

Linke Buchtage

Hallo Leute,
kommt am 5.Juni um 14 Uhr in den Buchladen Schwarze Risse (Mehringhof, Kreuzberg)!
Dort gibt es mehr zu Frau Paesch. Der Eintritt ist frei.

http://linkebuchtage.de/cms/_rubric/index.php?rubric=Startseite

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Beinahe ein Paar Stiefel in der…. geht weiter

Heute, am Mittwoch, auf dem Rückweg von der Fabrik, stehe ich also plötzlich vor dem Timbuktu. Ich bin einen anderen Weg gegangen als sonst. Das erste Mal seit zwölf Jahren machte ich einen Umweg durch die Schuhmachergasse, dann hielt ich mich links. Auch so gelangt man zum Tor in die 25-Stunden-Welt, schleicht sich von hinten heran.
Timbuktu. In Leuchtbuchstaben. Die Bar gibt es, tatsächlich gibt es sie. Alles sieht aus, wie im Traum. Viel blau, die Front ist aus Glas, aus blauem Glas bis zum Fußboden. Der ist aus Stein. Aber aus warmem Stein. Drinnen am Tresen sitzen gebückte Gestalten und trinken.
Die Hinterzimmertür geht auf, zum Vorschein kommen Rauchschwaden und eine kleine Frau, Asiatin, kaum erwachsen, große Kinderaugen aber lange Damenwimpern, im Arm rote Rosen, die sie den Gästen zum Kauf anbietet. Niemand braucht eine Rose. Derartige Sitten kennt man hier nicht – rote Rosen verschenken, weil man verliebt ist oder jemandem eine Freude machen will… mit roten Rosen macht man hier niemandem mehr eine Freude; es ist schon zu spät, diese eine Stunde!, Rosen zu verschenken wäre doch nur abgeguckt aus der 24-Stunden-Welt.
Hinter dem Tresen eine Treppe. Die kann nur zur Zierde da sein, nicht sehr weit hoch führen, das Timbuktu ist ein Bungalow, Parterre und Flachdach, mehr nicht.
Ich bestelle mir übrigens nichts zu trinken. Ich trinke wenig, heute gar nichts, und jetzt möchte ich nachsehen, wohin die Treppe führt. Circa 20 Stufen sind es. Ich steige sie hoch. Die Stufenfolge hört nicht auf, immer kommen neue Stufen dazu. Stundenlang geht das so. Es geht nicht voran. Immer wieder geht die Stufenfolge von vorne los.
Am nächsten Abend gegen acht bin ich endlich da. Oben.
Letzte Stufe. Eine Tür. Braun, unbehandeltes Holz. Unspektakulär. Ich mache die Tür auf.
Und stehe im Zentrum der Milchstraße inmitten der Sterne.

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Beinahe ein Paar Stiefel in der 25-Stunden-Welt verloren

Es gibt das Timbuktu.
An der Kreuzung liegt es. Wie geträumt. Wie ein gläserner Käfig. Fenster bis zum Boden. Nur ins Hinterzimmer kann man nicht schauen. Die Tür ist immer zu. Im Hinterzimmer wird geraucht.
Ich habe wochenlang von einer Bar geträumt, ich träumte, ich wäre dort eingekehrt, weil meine Berechnungen ergeben hatten, dass genau an der Straßenkreuzung, an der das Timbuktu liegt, das Tor offen steht. Das Tor in die 25-Stunden-Welt. Die grenzt an die 24-Stunden-Welt, ist aber immer hinterher. Diese eine Stunde! Man weiß noch nicht, was nebenan bereits geschehen ist, die Hintergrundmusik deutet aber häufig darauf hin, wird leiser, langsamer, manchmal nehmen auch die Holzbläser zu.
Ich wollte das Tor zur 25-Stunden-Welt finden, wollte versuchen, hinüber zu gelangen. Ich hatte mir astronomische Tabellen besorgt, zwei Abende gerechnet.
Das Tor liegt irgendwo im Timbuktu.
Ich hätte gern folgendes versucht: Stiefel ausziehen, meine Füße hochlegen. Später gehen. Meine Stiefel stehen lassen. Erst wenn ich im U-Bahnhof ein Ticket aus dem Automaten ziehen würde, mir dabei das Kleingeld auf den Boden fiele und ich es aufheben würde, sehen, dass ich in Socken da stehe. Zurückgehen wäre zwecklos gewesen. Im Timkuktu befindet sich das Tor, ich bin beim Betreten der Bar hindurchgegangen, stehe nun in der 25-Stunden-Welt, habe hier meine Stiefel noch nicht ausgezogen. Theoretisch. Wo also sind sie jetzt? Das kann man sich denken. Stiefel adieu! Macht nichts, ich hätte für dieses Experiment mein ältestes Paar angezogen. Mexikanisch, Schlangenlederimitat, abgewetzt und längst aus der Mode. So weit der Traum.

Fortsetzung folgt

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Lange Buchnacht

Gestern fand in Kreuzberg die 13. Lange Buchnacht statt. Zum ersten Mal beteiligte sich das Bethanien, ehemaliges Krankenhaus, heute Heimat verschiedener KünstlerInnen, Projekte und Gruppen.
Um es gleich vorweg zu nehmen – der Abend in den uralten schaurig-schönen Räumen des ehemaligen Diakonissenhauses war wundervoll.
Die Lesungen waren toll besucht; unsere diesbezüglichen Erwartungen wurden übertroffen, was bedauerlicherweise zu ungemütlichen Sitzgelegenheiten für Nachzügler führte. Noch mal vielen Dank an alle, die gekommen sind!
Nebenan konnte man sich von angehenden Heilpraktikerinnen der im Bethanien ansäßigen Schule massieren lassen und/oder an der Bar Bier aus der Plastikwannenkühlung trinken.
Persönlicher Höhepunkt des Abends war die Musikerin Mona Nylin, die momentan mit ihrer akustischen Gitarre im U-Bahn-Netz der Stadt unterwegs ist. Die Buchnacht-Veranstalterin hatte sie im Bahnhof Yorkstraße gehört und vom Fleck weg engagiert.
Immer wieder faszinierend was für Spitzenmusikerinnen es abseits von Hitparaden und mainstream gibt. Mit grandioser Rock/Soul-Stimme, die an die amerikanischen 1970ies erinnert, sang Mona Nylin Songs von ihrer CD Presence.
Kostprobe hier:

http://www.youtube.com/user/monanylin#p/a/u/2/aUAk5V97eBY

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Die Ärztinnenfrage

Abends, wenn Frau Paesch eigentlich abschalten will, kommt ihr häufig die Krankenschwester- und Ärztinnenfrage in den Sinn.
So auch heute. Es geht damit los, dass Frau Paesch da sitzt und ihren Nachtisch isst, zumeist eine Banane, der Länge nach durchgeschnitten, darauf Honig geträufelt. Dazu läuft der Fernseher.
Frau Paesch findet das Gerede auf den Kanälen von Monat zu Monat unerträglicher, momentan beispielsweise redet man gern über arme Leute, wobei sich stets zwei Parteien bilden. Die eine Seite verkündet, dass die armen Leute im Land so arm eigentlich gar nicht wären, die Leute in Afrika wären viel ärmer; die Gegenseite aber findet auch unsere Armen wirklich arm, nicht gemessen an den Afrikanern, aber gemessen an denen, die eben nicht arm sind. Und so geht das hin und her, währenddessen die armen oder eben nicht armen Leute zu Hause sitzen und geduldig abwarten, wie über sie entschieden wird. Zum Glück der Streithähne, denn worüber sollte man sonst in Zukunft so vortrefflich diskutieren?
Frau Paesch schaltet durch die Programme, ob irgendwo ein schöner Film läuft; dem ist nicht so, also macht sie den Fernseher wieder aus, um ihre Banane mit Honig essen zu können, ohne dass sich ihr der Magen umdreht. Jetzt, wo sie sich die Diskutanten vom Halse geschafft hat, kommt ihr die Krankenschwester- und Ärztinnenfrage in den Sinn, obwohl es eigentlich keinen Zusammenhang zwischen diesem Thema und dem nie enden wollenden Palaver über arme Leute gibt, zumindest keinen offenkundigen; für das Aufspüren versteckter Zusammenhänge ist Frau Paesch aber heute Abend zu müde, und selbst wenn es ihr gelänge, würde es die Sache nicht besser machen, weder die eine noch die andere.


http://www.edition-schwarzdruck.de/start_lyrik_bwl.html

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