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Warum ich den offenen Brief der Störenfriedas unterzeichnet habe

Im August letzten Jahres erschien die Flugschrift Vergewaltigung.  Die Autorin Mithu Sanyal fordert darin neue Definitionen. Opfer von Vergewaltigungen müssten nicht zwangsläufig als Opfer bezeichnet werden. Vielmehr seien sie doch auch „Erlebende“, wie die Autorin im Februar noch einmal  in einem Artikel in der taz nachlegte.

Sprache formt das Denken:

Bezeichne ich ein Opfer sexueller Gewalt als Erlebende entlaste ich vor allem den Täter, denn wo kein Opfer da kein (Gewalt)täter. Für ein ´Erlebnis´ braucht es keine zweite Person. Erleben kann man allein, für die Folgen kann man allein verantwortlich sein/verantwortlich gemacht werden.

Das ist ein Schlag ins Gesicht von Frauen, die Gewalt erlebt haben – ausgeübt von einem Gewaltäter. Mogelt man diesen durch Sprachakrobatik fort ist die Tat damit nicht ungeschehen gemacht.

Auch wenn ich zu den Glücklichen gehöre, die bislang nicht Opfer sexueller Gewalt wurden solidarisiere ich mich klipp und klar mit Gewaltopfern. Für diese muss Sanyals Flugschrift ein Schlag ins Gesicht sein. Darum habe ich den offenen Brief der Störenfriedas unterzeichnet, der bedauerlicherweise einen aggressiven Shitstorm gegen Sanyal auslöste.

Anders als jetzt von Sanyal dargestellt lag es selbstverständlich nicht in der Absicht der Störenfriedas, öffentliche Gewalttätigkeit gegen sie zu provozieren. Radikalfeministinnen rufen niemals zur Gewalt gegen Frauen auf, das liegt in der Natur der Sache.

Eine kritische und sachliche öffentliche Auseinandersetzung mit Sanyals Flugschrift wäre wünschenswert gewesen, blieb aber leider aus.

Zum offenen Brief

 

 

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