Noch immer modern ll

cover-krimi-beer-vorne-gross

Frau Kahane versteht nicht, warum das Wesen sich sein Abendessen nicht mehr holt seit jenem Tag, als der Butt zu Tode kam. Zunächst dachte sie, das Wesen sei nicht mehr da, aber das entlarvte sie als verrückten Gedanken: Wo sollte es denn sein? Es gehörte doch in dieses Haus.

Letzte Woche schließlich hatte sie es wieder gehört. Leiser als früher huschte es über ihr auf dem Dachboden umher. Ganz leise, sie musste sich sehr anstrengen, hört ja sowieso nicht mehr so gut. Es klang, als würde sich etwas oder jemand über ihr bewegen und dabei kaum den Boden berühren. Plötzlich ein Poltern, dann wieder Stille.

Den Abendbrotteller stellt Frau Kahane nach wie vor abends vor den Zugang zum Dachboden, aber das Wesen rührt ihn nicht mehr an, jeden Morgen um halb sechs holt Frau Kahane die unberührte Mahlzeit wieder herein. Hat sie sich verhört? Ist das Wesen tatsächlich an einen anderen Ort umgezogen, wo auch immer der sein mag? Ja, möglicherweise ist es in der Lage, woanders weiter zu existieren, auch wenn das Frau Kahane nicht gefällt. Oder bildet sie sich das Gehusche nur noch ein, aus Gewohnheit sozusagen?

Vorgestern beschloss sie, bei Frau Klein zu klingeln. Die Klein unterhält sich gern, ist recht vernünftig; man kann mit ihr manch ein Probleme besprechen. Sie hätte wieder Geräusche oben auf dem Dachboden gehört, bekannte Frau Kahane. Ob das sein könnte? Frau Klein gestand, dass sie ebenfalls wieder gehört hätte, dass etwas durchs Haus geschlichen wäre, neulich, mitten in der Nacht, als sie wegen ihrer Migräne aufgewacht und ins Bad gegangen sei, um eine Tablette zu schlucken. Ihr Mann aber hätte nichts gehört, er wäre mit wach geworden, sie hätte ihn zweimal auf das Geräusch hingewiesen, er wäre allerdings der Meinung gewesen, dass sie sich das Geräusch einbilden würde. Vielleicht wegen der Migräne, die ja dafür bekannt sei, unter anderem Sinnestäuschungen hervorzurufen. Ob denn nicht endlich Schluss sein könnte mit dem Unsinn? Es gäbe keine Gespenster, nicht in diesem Haus und auch nicht sonst wo, und erledigt.

Frau Kahane nickte, verabschiedete sich von Frau Klein und war froh, dass das Gehusche auf dem Dachboden keine Einbildung war. Oder besser: keine Einbildung von ihr allein.

Im Treppenhaus traf sie Anne, die gerade aus der Schule kam. Sie sprach das Mädchen an, fragte, ob sie das Wesen ebenfalls gehört hätte in den letzten Tagen, es sei offenbar wieder da. Anne starrte Frau Kahane erschrocken an, die bekam sofort ein schlechtes Gewissen. Wie konnte sie das Kind nur so ängstigen?

Es wird sich alles klären!“, versicherte sie Anne rasch, die vor Aufregung ganz rote Bäckchen bekommen hatte. “Mach dir keine Sorgen, falls auf dem Dachboden wirklich etwas ist, wird es uns nicht feindlich gesinnt sein. Dessen bin ich mir sicher.“

weiterlesen

Werbeanzeigen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Info

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s