Sommer in Timmendorfer Strand

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Buttermann hat keine Schwester abgekriegt in diesem Sommer und ich tippe, auch nicht im letzten oder dem davor. Dafür brüllt er die jungen Frauen zusammen, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Sein ohnehin zu nervösen Rötungen neigendes, teigiges Gesicht bekommt ein Stich ins Violette. Das Augenlid zuckt.

Aber Buttermann hat ein Ferienhaus in Timmendorfer Strand. Dort verkehre die Hamburger Schickeria, klärt er mich auf. Insgesamt herrsche dort ein anderes Niveau als in Neustadt: Schicke Boutiquen an der Strandpromenade, abends könne man fein essen gehen. Eine Bar, in der man im Sommer ausgefallene Leute träfe, gebe es natürlich auch. „Nautic Club!“ Er lässt beim aussprechen des Barnamens ein genüssliches Schmatzen verlauten.

Es ist Dienstagmorgen, wir trinken im Büro einen Kaffee, bevor es los geht. Buttermann verrät mir, dass er am kommenden Wochenende nach Timmendorfer Strand zu fahren beabsichtige. Und dass ich so wissbegierig und ambitioniert sei schätze er sehr.

Ich ahne was.

Und es kommt.

Für meinen Ehrgeiz wolle er mich belohnen. Mich übers Wochenende mit nach Timmendorfer Strand nehmen. Die Arbeit solle natürlich nicht zu kurz kommen, er habe etwas vorbereitet, er habe neuste Forschungsergebnisse zum Borderline Syndrom unterhaltsam zusammengefasst, darüber sollten wir in angenehmer Atmosphäre, beispielsweise am Strand, diskutieren.

In Sekundenschnelle läuft ein Film bei mir ab, ich kann mich nicht mit Familie herausreden, auch nicht mit einem Partner, mein Privatleben ist für jeden frei einsehbar, man braucht nur an die Tür des Appartements 21 im Schwesternwohnheim zu klopfen oder Frau Hinz zu befragen.

Es bleibt mir nichts anderes übrig, als die Wahrheit zu sagen, oder fast die Wahrheit.

So bedanke ich mich tadellos höflich für die Einladung, füge hinzu, dass ich meine Wochenenden aber momentan aus privaten Gründen lieber allein verbringen würde.

Buttermann sieht mich an, ein langer, intensiver Blick ist das, der besagt, dass ich hiermit meine letzte Chance, einem Unglück zu entgehen, verspielt hätte.

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