Eine neue Erklärung des Universums…

… ist das soeben erschienene Buch ´Der große Entwurf ´ von Stephen Hawking entgegen der Ankündigung nicht, zumindest nicht für Leute, die sich regelmäßig auf Astronomieseiten im Netz herumtreiben und/oder das Geschehen im Cern mitverfolgen. Eine sehr gute Zusammenfassung kosmologischer Theorien der letzten zehn Jahre ist es aber allemal, toll und verständlich geschrieben zudem, überaus unterhaltsam auf jeden Fall.
Dennoch: Urknalltheorie – Ungläubige kann Hawkings auch mit diesem Werk nicht bekehren. Zumindest die Frage nach dem ´davor´ bleibt wieder unbeantwortet. Hawkings Argument, man brauche sich den Beginn des Weltalls lediglich als einen Punkt am Südpol vorstellen, womit sich die Frage nach dem ´davor´ erledige, da nichts südlicher sein kann als der Südpol, vermag nicht zu überzeugen. Falls südlicher als der Südpol lediglich das Nichts ist, so möchte man eben dieses Nichts definiert haben.
Fragwürdig ist auch die Tatsache, dass Hawking offenbar davon ausgeht, dass menschliches Leben im Weltplan vorgesehen war. Das Zusammenspiel aller Naturgesetze, die das Leben ermöglichen, deklariert er nämlich als ´verblüffender Zufall´. Ist das nicht eine Verdrehung von Ursache und Wirkung? Wenn ein Topf mit einem Bodensatz Tomatensoße zufälligerweise ein paar Wochen im Spülbecken liegt, schimmelt er. Das freut natürlich all die soeben zum Leben erwachten kleinen Pilze. Aber eine Illusion muss man ihnen sogleich rauben: Der Topf wurde nicht etwa zehn Tage im lauwarmen Spülwasser stehen gelassen, um genau die Voraussetzungen zu schaffen, damit Schimmelpilze entstehen. Die Schimmelpilze entstanden lediglich, weil jemand zu faul war, den Abwasch zu machen, und die daraus hervorgehenden Bedingungen nun mal Schimmel entstehen lassen, was ebenso wenig wie die Entstehung von mehr oder weniger intelligentem Leben auf der Erde ein verblüffender Zufall ist.
Da Hawkings aber gleichzeitig die durchaus plausible These der Multiversen vertritt (Tausende von Universen neben dem unserem; in jedem herrschen andere oder vollkommen andere Naturgesetze und Bedingungen), kann man sich leicht vorstellen, dass in jedem dieser Universen eine den Voraussetzungen entsprechende Form von Existenz entstanden ist, was folgerichtig und ebenso alles andere als verblüffend ist.
Ein Schelm, wer jetzt fragt: Wo sind wir überall nicht, weil die Bedingungen es nicht zulassen?

Stephen Hawking
& Leonard Mlodinow
Der große Entwurf

Eine neue Erklärung des Universums
Rowohlt Verlag

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Eine neue Erklärung des Universums…

  1. Ich habe dieses Buch leider noch nicht gelesen, allerdings haben Hawking und andere schon vor Jahren den Urknall ganz leicht verständlich erklärt.
    Auch wenn wir das Phänomen der Zeit noch nicht besonders gut verstehen, so ist sie doch zweifelsohne eine Auswirkung von Naturgesetzen. Naturgesetze haben sich erst einige Zeit nach Entstehung des Universums gebildet. Eine Frage nach dem davor ist also irrelevant, da die Zeit erst mit den Naturgesetzen entstand. Ohne Zeit kein davor.
    Mit allerherzlichsten Grüßen,
    Kalinka Humperdinck

  2. Ich weiß gar nicht, mehr wann ich zum ersten Mal von Stephen Hawking gehört habe, ich habe gerade versucht mich mal daran zu erinnern aber mir fällt es nicht ein. Ich habe das Gefühl ihn schon immer zu kennen, denn er begleitet mich schon etliche Jahre mit seinen Dokumentationen und vor allem Büchern, die ich verschlinge, aber Schwierigkeiten habe zu verstehen. Ich denke die wenigsten Menschen verstehen seine Thesen und Überlegungen wirklich, meiner Meinung nach geht es auch nicht wirklich um das verstehen, sondern um die Möglichkeit selbst über Dinge nachzudenken und seine eigene Überlegung zu tätigen. Dafür, dass er das schafft und mich dabei seit Jahren dabei unterstützt, bewundere ich ihn. Ich bewundere ihn außerdem auch als Mensch, denn andere würden mit einem solchen Schicksalsschlag ein ganz anderes Leben führen. Aber das natürlich nur am Rande, es geht ja um diese mehrteilige Dokumentation zum Buch, die ich kurz gesagt empfehlen kann. Die einzige Kritik „Es ist zu kurz“. Spaß beiseite, ich sauge diese Dokus so in mich auf, dass mir dabei die über zwei Stunden zu kurz vorkommen, ich hätte da gerne noch mehr zu gesehen. Absolute Kaufempfehlung, schau aber selbst einfach mal rein.

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